“Okay… Libya.” – Der “Oops”-Moment des Herman Cain

Nach Rick Perry hat auch Herman Cain seinen “Oops”-Moment. Bei einem Interview mit Journalisten des “Journal Sentinentel” (für Milwaukee und Wisconsin) war sich der momentan in Umfragen führende Kandidat nicht mal mehr sicher, wie Obamas Haltung in puncto Libyen-Engagement der USA war. “President Obama supported the uprising, correct?”, fragte er die Interviewer hilfesuchend, um dann nach langen Überlegungspausen, einigen Plattitüden und inhaltlichen Haken sich mit einem nicht minder entlarvenden Statement zu entschuldigen: “I’ve got all this stuff twirling around in my head.”

Ein Faux-Pas, der jemandem, der sich um das höchste amerikanische Amt bewirbt, nicht passieren darf.

Zugegeben, die Frage des Reporters war weder besonders konkret noch präzise gestellt: “So you agree with President Obama on Lybia, or not?” Gerade das eröffnet einem Politiker aber gerade die Chance seine eingelernten Statements abzuspulen, die bei einem so erwartbaren Thema von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schon seit Wochen vorbereitet sein mussten (besonders, da er sich dazu ja auch schon geäußert hatte).

Ein ähnlichen “Oops”-Moment wie bei Cain und Perry verzeichnete übrigens schon Sarah Palin bei ihrer Vizepräsidentschafts-Kandidatur 2008. Bei ihrem ersten große Interview, das sie erst nach langem Zögern des Wahlkampfteams dem ohnehin nicht sonderlich scharfen ABC-Interviewer Charlie Gibson gab, war sie absolut blank in einer der wichtigsten und umstrittensten Policies der US-Regierung im “war on terror”: der “Bush Doctrin”. Es war die erste öffentliche Offenbarung von Palins fehlendem Allgemeinwissen – und ihrer mangelnden Kenntnis der amerikanischen Politik im Besonderen.

Für eine Sekunde lang hätte sie den Interviewer mit einer taktischen Gegenfrage auch fast dazu bekommen ihre Wissenlücke auszugleichen. Er setzt schon an seine Frage breiter auszuformulieren, als er merkt, dass Palin scheinbar keine Ahnung hat, wovon er spricht. Er fragt nach, was sie denn darunter versteht. Wartet ab. Lässt sie irgendwas von “world view” und “beauty of american democracy” stammeln (was sie auch noch versucht mit einem lässig-verbindlichen Augenzwinkern zu unterstützen), bevor er (der Journalist) ihr (der Vizepräsidentschaftskandidatin) eine Einführungsvorlesung in amerikanischer Politik gibt. Ein viel zu wenig beachteter Moment der Fernsehgeschichte, sehenswert!

Dieser Beitrag ist von Josef Barth

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