Strategy Sunday: Divide et impera

Die Vorwahlen in Iowa stehen vor der Tür (was man übrigens auch daran erkennt, dass unser Gewinnspiel bald endet), doch das republikanische KandidatInnenfeld ist unübersichtlicher denn je. Das nützt vor allem der Kampagne von Mitt Romney – die sehr darum bemüht ist, keinen seiner Gegenspieler zu stark werden zu lassen.

Der 3. Jänner – und damit das erste spannende Highlight dieses Wahlkampfjahres – rückt immer näher. Durch sein Caucus-System ist Iowa traditionell ein äußerst unberechenbarer Boden für die KandidatInnen. Sowohl Freaks als auch Favoriten (wie der Spiegel so treffend formuliert) können dort als Sieger hervorgehen.

Auf dem Weg zum „Super Tuesday“

Während manche Kandidaten dort „all in“ gehen, um ihrer Kampagne ein möglicherweise entscheidendes Momentum für die nächsten Etappen zu sichern, denken andere Kampagnen bereits einen Schritt weiter. Wer die meisten Delegiertenstimmen aus Iowa bekommt, hat schließlich nur eine Schlacht, aber noch lange nicht den Krieg gewonnen. Weitaus wichtiger ist es, die Marschroute der eigenen Kampagne so zu gestalten, dass diese am 6. März – dem „Super Tuesday“, an dem in 10 Bundesstaaten gleichzeitig Vorwahlen stattfinden – optimal positioniert ist.

Die vergangenen beiden Wochen haben gezeigt, dass Mitt Romneys Kampagne eine klare Marschroute hat. Und dabei setzt er auf eine der ältesten politischen Formeln: „Divide et impera“. Romney weiß, dass er das Rennen beherrscht, so lange es ihm gelingt, das Lager seiner konservativeren Herausforderer zu spalten.

Mehrheit ohne Mehrheit

Schließlich sprechen die Umfrageergebnisse – trotz aller Höhenflüge und Einbrüche einzelner KandidatInnen – in einem Punkt eine klare Sprache: Romney verfügt zwar über eine solide WählerInnenbasis, doch das Lager der „Anti-Romneys“ vereint in Summe weitaus mehr Stimmen auf sich.

Romneys Stärke beruht also maßgeblich darauf, dass es dieses Lager nicht schafft, sich auf einen Kandidaten zu einigen. Wenn diese Zersplitterung des Felds seiner Gegenspieler bis in den März bestehen bleibt, kann Romney seine Favoritenrolle ausbauen – und sich damit die Nominierung zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten sichern. Kein Wunder also, wenn Romneys Kampagne gezielt daran arbeitet, keinen seiner Gegenspieler zu stark werden zu lassen.

Iowa als „Testmarkt“

Iowa ist der „Testmarkt“ für diese Strategie. So hat der – Mitt Romney unterstützende – „Restore Our Future“ (ROF) PAC bereits 4 Millionen US-Dollar (und in dieser Woche alleine 1,2 Mio. US-Dollar) für Werbeschaltungen gegen Newt Gingrich ausgegeben. Zum Vergleich: Gingrich konnte in den vergangenen drei Monaten nicht mehr als 9 Millionen US-Dollar an Spendengeldern für seine Kriegskasse sammeln.

Das Romney-Lager hat also viel Geld investiert, um die Gingrich-Kampagne erfolgreich zurück in die zweite Reihe zu prügeln. Dafür nimmt sie auch in Kauf, dass Ron Paul (der ebenfalls von der Zersplitterung des konservativen BewerberInnenfelds profitiert) in Iowa zum erfolgreichen Abstauber werden könnte. Dessen Triumph würde seiner Kampagne zwar ein gewisses Momentum verleihen, Romney Strategen können aber getrost darauf vertrauen, dass der libertäre Dauerkandidat es schwer haben dürfte, die konservative republikanische Basis zu einen – schon alleine aufgrund seiner Positionierung.

Wie wirksam Romneys „Divide et impera“-Strategie ist, zeigt nicht zuletzt der Umstand, dass ihm nun in einigen Umfragen wieder gute Chancen eingeräumt werden, die primaries in Iowa für sich zu entscheiden (und selbst ein respektabler zweiter Platz würde bereits als Erfolg für ihn gewertet werden). Gewinnt er am 10. Jänner die Vorwahlen in New Hampshire (was aus heutiger Sicht sehr wahrscheinlich ist), kann er einen zweiten Platz (hinter Gingrich) in South Carolina (21. Jänner) getrost verkraften und Ron Paul in Florida (31. Jänner) den Weg ins Altersheim weisen.

Der Haken

Einen Haken hat dieser Kampagnenplan Romneys allerdings. Gelingt es ihm nicht, die zersplitterte republikanische Basis im Fall seiner Nominierung wieder zu einen, könnte ein anderer Gegenspieler erfolgreich auf die Losung „Divide et impera“ setzen: Barack Obama.

Dieser Beitrag ist von Stefan Bachleitner

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