Strategy Sunday: Battlegrounds

Das Wahlmännersystem in den USA führt dazu, dass nicht jede Stimme gleich viel wert ist. Es wird sich in einigen wenigen Bundesstaaten entscheiden, wer in den kommenden Jahren im Oval Office sitzen darf. Das Lager des Amtsinhabers stimmt seine AnhängerInnen bereits darauf ein …

Obamas Wahlkampfleiter Jim Messina eilt der Ruf voraus, ein eher trockener Kampagnenbürokrat zu sein. Nun, die folgende (vor allem an spendenbereite UnterstützerInnen gerichtete) Videobotschaft dürfte nicht gerade dazu angetan sein, dieses Image zu entkräften. Statt emotionalen Bildern und mitreißenden Visionen präsentiert Messina mögliche „Pfade“ zu einer erfolgreichen Wiederwahl. Er zeigt damit, dass es in der Kampagne des Amtsinhabers nicht mehr um „Hope“ und „Change“ geht, sondern darum, eine Mehrheit zu verteidigen. Und der Weg dorthin führt über beinharte Bodenarbeit in den „Battlegrounds“.

Dieses Video illustriert, dass im amerikanischen Wahlsystem „Hochburgen“ eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielen. Wirklich wichtig sind jene Staaten, in denen ein knappes Rennen zu erwarten ist bzw. ein „swing“ von einer Partei zur anderen möglich ist. Ein Großteil der Ressourcen konzentriert sich auf diese wahlentscheidenden „Battlegrounds“ (und dort vor allem auf unentschlossene Wählerinnen und Wähler).

Eine der wesentlichsten strategischen Aufgaben jeder Kampagne besteht daher darin, diese „Battlegrounds“ zu identifizieren und festzulegen, wo sie (wie) die erforderlichen Mehrheiten erreicht – und wo sie dies bleiben lässt. Der Musterschüler Messina scheint seine Hausaufgaben brav gemacht zu haben.

Viele Angriffsmöglichkeiten

Doch auch wenn er in diesem Video offenherzig über mögliche Strategien plaudert: Messina ist clever genug, sich nicht in die Karten blicken zu lassen. Wohl bewusst präsentiert er so viele verschiedene Strategien, dass sich noch nicht erkennen lässt, was er wirklich vorhat. Er zeigt lediglich auf, wie viele Angriffsmöglichkeiten die Grundaufstellung des bevorstehenden Wahlkampfs ihm bietet. Damit kann er den eigenen UnterstützerInnen ein Stück Zuversicht auf den Weg geben – und die republikanische Kampagnenstrategen vielleicht dazu verleiten, sich mehr Schauplätzen zu widmen, als ihnen lieb ist.

Es wird jedenfalls interessant sein zu sehen, welche der dargebotenen Strategien für das Obama-Camp tatsächlich Priorität hat. Es würde nämlich jeder Kampagnenlogik widersprechen, wenn Messina alle hier so zahlreich dargebotenen Optionen gleichzeitig verfolgt – das hätte unweigerlich eine Zersplitterung der Kräfte zur Folge. Eine erfolgreiche Kampagne darf sich aber nicht verzetteln, sondern muss ihre Ressourcen möglichst zielgerichtet einsetzen. Oder, wie der amerikanische Managementtheoretiker Michael E. Porter es einmal so schön formulierte: „The essence of strategy is to choose what not to do.“

Dieser Beitrag ist von Stefan Bachleitner

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