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TechTuesday: Data, Data, Data

“He’s the first candidate we’ve ever seen who had an organization that brought together the Internet and community organizing.” Neu auf USA2012: Jeden Dienstag widmen wir uns Kampagnentechnologien und wie Online, offline einen Effekt haben kann. Erster Teil: Data, Data, Data.

Auf der Prioritätenliste einer US Kampagne steht nur Geld über WählerInnendaten. Schließlich geht es darum, zu wissen, wer UnterstützerInnen, Unentschlossene und GegnerInnen sind. Die UnterstützerInnen sind am Wahltag zu mobilisieren, die Unentschlossenen vor den Wahlen zu überzeugen und die GegnerInnen zu demobilisieren. Soweit nichts Neues, nicht einmal für innovationsunfreudige europäische Wahlkampagnen. Doch das Level auf dem dieses UnterstüzterInnenidentifikation betrieben wird, ist um einiges komplexer und ein Alptraum für ein europäisches Verständnis von Datenschutz.

Die Basis

Dass AmerikanerInnen lockerer sind, wenn es um die Veröffentlichung von politischer Meinung geht, zeigt sich schon daran, dass man sich (in den meisten Staaten) bei der Registrierung zur Wahl gleichzeitig bei einer Partei registriert. Diese Information inklusive Name, Adresse, Alter und Teilnahme an den letzten Wahlen, das sogenannte Voter File, sind öffentlich zugänglich (wie sie aufbereitet sind ist natürlich Sache des State, dementsprechend gibt es saubere und weniger saubere Datensätze).

Damit kann man den Großteil der Menschen schon einmal ausschließen: Jene, die der anderen Partei zugehörig sind; jene, die seit 10 Jahren nicht mehr zur Wahl gegangen sind (oder nur alle vier Jahre gehen und nie zu den Midterms); jene, die außerhalb des Wahlbezirks leben; etc. Den Rest versucht man in fünf Kategorien zu teilen:

  1. Definitely
  2. Lean for
  3. Undecided
  4. Lean against
  5. Definitely Not

Egal, ob durch Phone Banking, Türenklopfen oder auf Veranstaltungen: Ohne die Frage “On November X, will you vote for Y?” ist ein WählerInnenkontakt verschwendet.

Datenbanken

Eine Liste, wie sie einem/r TürklopferIn mitgegeben wird

Dass so ein Unterfangen nicht ohne technische Unterstützung passieren kann, ist klar. Während tausende Firmen unterschiedliche Voterfiles mit duzenden Extrainformationen anbieten, haben sich mittlerweile Datenbankstandards in beiden Parteien durchgesetzt. DemokratInnen verwenden das Voter Activation Network, RepublikanerInnen den Voter Vault. Beide haben den erwähnten Grundstock an Daten im System, der Rest wird von jeder Kampagne jedes (Wahl)Jahr neu befüllt. Natürlich ist Voter ID zwar die wichtigste, aber bei Weitem nicht die einzige Variable: War die Person zu Hause oder nicht? Hat sie ablehnend reagiert oder hatte sie einfach keine Zeit?  Welche Themen sind der Person wichtig?  Wie viele Menschen leben noch im Haus? Sind sie auch registriert und bei welcher Partei? Auf welches oder welche Art von Veranstaltungen geht die Person?

All diese Informationen informieren die nächsten Schritte, um aus 3ern 2er, aus 2ern 1er und aus 1er aktive UnterstüzterInnen, die selbst anrufen, Türenklopfen, Menschen identifizieren. Eine Kampagne kann nicht gewinnen, wenn sie nicht am Ende des Wahlzyklus die meisten WählerInnen im Wahlkreisidentifiziert worden. In den letzten 72 Stunden beginnt GOTV – Get Out The Vote. 1er und 2er werden wenn es sein muss von der Kampagne zur Wahlkabine gebracht. Wer mehr 1er und 2er bringt als die andere Kampagne, gewinnt.

Während das in dieser Komplexität hierzulande nicht möglich ist, gibt es doch was zum Mitnehmen: Nicht jede/r ist Zielgruppe.  Mehr dazu in Kürze im StrategySunday oder TechTuesday.

Dieser Beitrag ist von Yussi Pick

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4 Rückmeldungen zu “TechTuesday: Data, Data, Data”

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  1. [...] letzte Woche haben wir uns beim ersten TechTuesday mit WählerInnendaten auseinandergesetzt, einem Thema, das uns noch öfter beschäftigen wird. Heute zum [...]

  2. [...] wählen gehen, desto mehr zählt jede Stimme. Umso wichtiger ist es, dafür zu sorgen, dass alle 1er und 2er zur Wahl gehen. Schlimmer Kardinalfehler also, dass die Freiwilligen am Straßenrand nicht [...]

  3. [...] Dienstag geht es im “Tech Tuesday” um Kampagnentechnologien, z.B. um die Erfassung und Verwendung relevanter Wählerdaten für einen möglichst zielgruppengerechten Zuschnitt des [...]

  4. [...] Stadium seine Acceptance Speech hält, ist der Field Wahlkampf eröffnet. Online kann vieles: Daten sammeln, Spenden sammeln, Überzeugung bekunden, Menschen vernetzen. Doch großflächig Menschen [...]


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