TechTuesday: The Buffett Rule

Ein Milliardär, der weniger Steuern zahlt als seine Sekretärin wird zum Wahlkampfthema und dient als schönes Besipiel einer integrierten Emailkampagne mit klarem Ask und schöner Supporter Journey zu einem tagesaktuellen Thema.

Die letzten Wochen brachten zwei der wichtigsten Daten in einem US Wahljahr: 31. März und 17. April. Ende März ist das Ende des ersten Quartals an dem Kampagnen dieses Jahr ihre Fundraisingberichte abgeben müssen. Man will gut dastehen und möglichst viel “Cash On Hand” haben. Für BeraterInnen bedeutet das, dass ihre Rechnungen erst nach 31. gezahlt werden. Für UnterstützerInnen heißt das, dass sie von allen Seiten mit Fundraisingemails belästigt werden. Damit sich jene nicht ganz wie Bankomaten fühlen ist April die Zeit, auf andere Asks umzustellen. Und nichts bietet sich mehr an, als der 17. April – Tax Day (1).

Es überrascht nicht, dass in einem Land, dessen Revolution mit dem Schlachtruf “No Taxation without Representation” begann, der Tag an dem alle ihre Steuererklärungen einreichen müssen,  zum Politikum wird. So fällt es auf, dass Romney um eine Verlängerung gebeten hat und dass der Präsident weniger Steuern zahlt als seine Sekretärin. So auch Warren Buffett, Milliardär, Investor und Demokrat, der schon seit vielen Jahren die Ungerechtigkeit des amerikanischen Taxcode ankreidet: “There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.” Eines seine Op-Eds, in dem er aufzeigt, wie seine Sekretärin eine höheree Steuerquote zahlt, als er, wurde pünktlich zum Taxday von der Obama Kampagne aufgegriffen.

The Buffett Rule closes loopholes and asks millionaires to pay at least as much as middle-class families, so that we can share the burden of reducing our deficit and investing in programs important to a strong middle class, like education, innovation and infrastructure.

Das schreibt mir Stephanie Cutter, stellvertretende Kampagnenmanagerin in einem Email. Damit das nicht bloße Worte bleiben sondern persönlich und anschaulich wird, hat die Kampagne eine Microsite programmiert: http://www.barackobama.com/buffett-rule. Dort kann ich mein Jahreseinkommen angeben dessen durchschnittliche Taxrate (irgendwo um 20%) mit Romney’s verglichen wird (13.9%), mit einem Klick die Buffett Rule angewandt und schon würde seine Taxrate auf 30% schnellen. Gerecht, oder? Damit ist aber nur Teil 1 “Involve/Engage” einer guten “Supporter Journey,” also die “Reise” eines UnterstützerIn vom Klick zur Aktion, abgedeckt. Teil 2: Mobilize. Kaum sehe ich die 30% fordert mich ein Button auf: Help Pass the Buffett Rule und gibt mir 7 unterschiedliche Möglichkeiten:

  • In die Email Liste eintragen
  • Die Buffett Rule Website auf Facebook oder Twitter verbreiten
  • Meinen FreundInnen und Freunden ein Email schicken
  • Meine/n SenatorIn anrufen
  • Congress antweeten
  • Einen LeserInnenbrief schreiben

Da ist für jede/n was dabei. Und natürlich wird alles mitgestoppt. Wenn ich nämlich auf den Link in Frau Cuttler’s Email klicke weiß die Kampagne sofort, wer ich bin. Von welcher Emailliste ich komme, welche Email, welche Postleitzahl und ein paar andere Daten, die Dinge über UnterstützerInnen verraten, damit ich beim nächsten Mal ein noch effektiveres Email bekomme. So sieht der Link tatsächlich aus:

http://www.barackobama.com/buffett-rule?source=em12_20120416_sc_act&utm_medium=email&utm_source=obama&utm_campaign=em12_20120416_sc_act&email=yussi.pick%40gmail.com&zip=20010

Ich kann also damit rechnen, von jetzt an mehr Emails zu Gerechtigkeit zu bekommen und weniger zu Themen, wo ich mit nicht engagiert habe. Sollte ich einen LeserInnenbrief geschrieben haben wird mich die Kampagne in nächster Zeit öfter bitten, einen LeserInnenbrief zu schreiben, usw. Hätte ich nicht auf den Link geklickt, wäre übrigens mit ziemlicher Sicherheit wenige Tage später ein neues Email eingetrudelt – nur um sicher zu gehen, dass ich das erste auch bekommen habe.

Als Gesetz hat es die Buffett Rule übrigens – wenig überraschend – am Montag nicht durch den Senat geschafft. Wir werden trotzdem in den nächsten Wochen noch mehr von ihr hören, denn als Kampagnenthema ist es durchaus erfolgreich: 7 von 10 AmerikanerInnen unterstützten die Regelung.

—-

(1) Üblicherweise am 15. April, doch der fiel dieses Jahr auf einen Sonntag.

Dieser Beitrag ist von Yussi Pick

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