Kategorisiert | Barack Obama, Mitt Romney

Who wants to become a Running Mate?

Medien lieben Personalentscheidungen. Das gilt für hier wie für dort. Dementsprechend ist es nicht überraschend, dass sobald der Kandiat der RepublikanerInnen feststand, die Aufmerksamkeit der Medien sich auf die Frage konzentrierte, wer zweite/r am “Ticket” wäre, also wen Romney als  VizepräsidentschaftskandidatIn nehmen könnte. Da wollen wir nicht nachstehen. 


Die Vizepräsidentschaft ist, so wird gescherzt, “the second most powerful job and the least powerful job at the same time.” Denn während der Vizepräsident erster Ersatz des Präsidenten im Todesfall ist, hat er sonst nur eine kleine in der Verfassung abgesicherte Rolle: Der Vorsitz des Senates. Diese Position wiederum ist nur dann schlagend, wenn es zu einem 50:50 Patt kommen sollte – dann wäre die Stimme des Vorsitzes ausschlaggebend. Das kam zu letzt 4mal – vor allem 2001 – unter Vizepräsident Dick Cheney vor. 
Wie viel macht ein Vizepräsident tatsächlich hat, kommt also vor allem darauf an, wie viel Macht ihm der Präsident gibt. Obama-Biden gelten als sehr enges Duo, was man auch daran erkennt, dass die Administration ihn immer wieder für Verhandlungen mit den RepublikanerInnen einsetzt – auch, um eine sich immer eine Eskalationsstufe nach oben offenhalten zu können. Dick Cheney ist berüchtigt, so viel Einfluss auf Bush Jr. gehabt zu haben, dass er als der mächtigste Vize aller Zeiten gilt und sogar als Schattenpräsident bezeichnet wurde. 
Doch wann Vizepräsidenten tatsächlich wichtig sind ist vor der Wahl, denn sie können inhaltliche, characterliche oder geographische Schwächen des Kandidaten ausgleichen. 
Dementsprechend interessant ist es für Medien zu spekulieren, auch wenn der/die VizepräsidentschaftskandidatIn üblicherweise erst im Spätsommer vor der Convention präsentiert wird. Auf der Demokratischen Seite ist die Kombination relativ klar: Auch wenn es immer wieder Stimmen gibt, die hoffen, dass Hilary Clinton Joe Biden ablöst, wird das Ticket mit relativer Sicherheit so bleiben, wie es ist – nicht nur, weil die Kampagne sonst all die schönen Memorabilia einstampfen müsste. 
Auf republikanischer Seite spitzen sich die Gerüchte auf eine Hand voll KandidatInnen zu. Die Namen die dabei am Häufigsten genannt werden sind – ein wenig gereiht nach Wahrscheinlichkeit:
  • Marco Rubio
  • Rob Portman
  • Paul Ryan
  • Chris Christie
  • Jan Brewer
  • Alan West
Alan West ist neuer Kongressabgeordneter aus Florida, war in der Armee und gilt als einer der Kern Tea Party Candidates. Er könnte Romney die rechte Flanke zumachen und kommt aus Florida, einem DER Battlegrounds. Doch weil er nur Kongressabgeordneter ist, also nur in seinem Bezirk, nicht einmal in einem ganzen Staat Kampagnenerfahrung hat, ist er – meiner Ansicht nach – eher unwahrscheinlich. Ähnlich wie Jane Brewer, die Gouverneurin von Arizona, die in letzter Zeit durch mehrere restriktive Gesetze aufgefallen ist – allen voran dem neuen Immigrationsgesetz, der PolizistInnen verpflichtet, bei jeder Amtshandlung auch den Immigrationsstatus des/r Beamtshandelnden abzufragen. Nicht nur weil das Gesetz zu racial profiling führt, sondern auch weil Immigrationsgesetze Bundesgesetze sind, wird es nächste Woche im Supreme Court diskutiert. Davon abhängig steigen oder fallen ihre Chancen.
Chris Christie hatte es schon schwer glaubhaft zu versichern, dass er nicht vorhat als Präsident zu kandidieren – was eher an einer Obsession der Medien lag, als an ihm. Der Josef Pröll der amerikanischen Politik gilt als sympatisch, umgänglich und hemdsärmelig. Er ist gerade dabei den Vorgarten Kanal von New York – New Jersey – nach republikanischer Vision umzugestalten: Steuern und Sozialleistungen runter und Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes entmachten. Er könnte, wenn er wollte durchaus auf die Shortlist kommen, doch es scheint, dass er eher eine Pröll Senior Strategie verfolgt: Erstmal zuhause bleiben und die nächste Wahl abwarten.
Paul Ryan ist der Budgetsprecher der neuen republikanischen Führung im House. Er predigt von ausgeglichenen Budgets und Wegen dorthin, die oft mehr auf Meinungsforschung als auf Wirtschaftsforschung basieren (“Steuer Loopholes schließen” zum Beispiel). Während der Vorwahlen in Wisconsin war er stets an Romney’s Seite und hat an dessen Sieg maßgeblich mitgewirkt. Eine Belohunung wäre durchaus angebracht, doch die geopolitische Bedeutung Wisconsins ist unklar: Der Staat mit (nur) 10 Wahlmenschenstimmen war fast immer eine demokratische Hochburg (sogar John Kerry hat dort gewonnen) und wurde erst 2010 von einem republikanischen Gouverneur übernommen. Der hat sich dann sogleich mit den öffentlichen Gewerkschaften angelegt, die einen sogenannten “Recall” organisierten, die linke Basis  remobilisierten und den Staat tendenziell wieder auf demokratische Seite holen werden.  
Ein anderer Budgetmann ist geopolitisch eine kügere Entscheidung für Romney: Rob Portman, seit 2010 Senator aus Ohio, zuvor Budgetmanager der Bushadministration – und das ist auch sein größtes Manko. Bekanntlich war die Bush Administration fiskal nicht so streng, wie RepublikanierInnen es üblicherweise von DemokratInnen verlangen. Selbst Tea Party Mitglieder distanzieren sich deshalb oft von Bush. Portman würde also zwar den wichtigen Battleground Ohio sichern, aber eine neue Flanke aufmachen. 
Bleibt Marco Rubio: Der Sohn kubaischer Eltern ist Senator aus Florida und Liebling der Tea Party. Er könnte nicht nur die Tea Party energetisieren und Florida auf republikanische Seite ziehen, sondern auch teilweise die sich (aus Gründen wie Jane Brewer) von den RepublikanerInnen abgewandten Hispanics zurückholen. Diese Dreifaltigkeit macht ihn für Romney durchaus attraktiv und er selbst ist jung genug, 2020 selbst als Kandidat anzutreten. 

Wetten würde ich aber keine abschließen: Zwar hat es den RepublikanerInnen letztes Mal längerfristig nicht genutzt, eine Überraschungskandidatin aus dem Hut zu zaubern, doch diesmal hätten sie ja mehr Zeit, ihn oder sie zu “vetten” – seine/ihre persönliche und politische Vergangenheit zu durchleuchten. 

Dieser Beitrag ist von Yussi Pick

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6 Rückmeldungen zu “Who wants to become a Running Mate?”

  1. simon sagt:

    die frauen sind diejenige wählerschicht, bei denen romney am schlechtesten abschneidet. noch vor hispanics und schwarzen. diese stellen auch die größere wählerschicht dar. mir ist vorgekommen, dass dies in der inneramerikanischen debatte auch so wahrgenommen wird.
    ich frage mich jetzt: gibt es keine geeignete Kandidatin, oder wurde dieser fakt in diesem artikel unzulänglich beleuchtet?

    • Yussi Pick sagt:

      Die im Post diskutierte Jan Brewer ist eine Frau, nicht erwähnt habe ich Nikki Haley, Gouverneurin aus South Carolina, die selten aber doch erwähnt wird, Prominente republikanische Senatorin gibt’s keine im Gespräch (die einzig mögliche wäre Kay Bailey Hutchison, alle anderen sind zu liberal), im Kongress gibt’s noch Cathy Mcmorris Rodgers, die viertmächtigste Republikanerin, hat aber wenig nationales Profil und wurde daher nicht erwähnt.

  2. Christoph sagt:

    Alan West hätte was, vor allem in Bezug auf Außen- und Sicherheitspolitik, hat aber bei einigen Themen wohl etwas zu kontroverse Ansichten für die Medien.

    Davon abgesehen, großen Respekt für eure Webseite!

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  1. [...] zur Freude der Politikberichterstattung, die sich nun ausgiebig diesem Auswahlprozess und der Spekulation über die möglichen AnwärterInnen widmen [...]


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