Strategy Sunday: First Ladies

First Lady zu sein ist ein full-time job, aber kein Beruf. Weder gibt es ein Gehalt, noch ein Aufgabenprofil dafür. Dennoch spielen die besseren Hälften der Präsidentschaftskandidaten eine wichtige Rolle im Rennen um das Weiße Haus – wie nicht nur die anstehenden Conventions zeigen.

Die OrganisatorInnen des diesjährigen republikanischen Parteikonvents sind nicht zu beneiden. Zum Einen könnte ihnen der tropische Sturm „Isaac“ – so wie schon vor vier Jahren Hurrikan Gustav – die Party mehr als verregnen. Und zum Anderen dürften sie das Interesse der landesweiten US-Fernsehstationen an ihrem Polit-Spektakel falsch eingeschätzt haben. Denn NBC, CBS and ABC haben entschieden, vom ersten Tag der GOP-Convention kommenden Montag nicht live zu berichten, da sie – so wie bei den vergangenen beiden Wahlen – „nur“ jeweils drei Stunden direkt von den beiden Parteitagen übertragen werden. (Auch die medientauglichste Politikinszenierung in den USA kennt so etwas wie Quotendruck.) Das ist insofern ärgerlich für die Republikaner, als an diesem Abend die Rede von Ann Romney, der Ehefrau von Mitt, geplant gewesen wäre. Um ihrem Auftritt mehr Publikum zu sichern, wird er nun voraussichtlich auf Dienstag verlegt. Alleine diese Verschiebung ist ein deutlicher Beleg dafür, wie wichtig die Rolle der Frau an der Seite eines Kandidaten inzwischen geworden ist.

Seit Pat Nixon 1972 auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner Stimmung für ihren Mann machte, gehört die Rede der (potenziellen) First Lady zu den fixen Programmpunkten jeder Convention (eine Präsidentschaftskandidatin gab es in den USA bislang noch nicht). Nixon war allerdings nicht die erste Frau eines Kandidaten, die diese Aufgabe übernahm: Es war Eleanor Roosevelt – die Hillary Clinton ihrer Zeit (wenn Hillary nicht eher als Eleanor unserer Zeit betrachtet werden müsste) – die 1940 auf dem Konvent der Demokraten erstmals als First Lady das Wort ergriff.

Das informelle Aufgabenprofil

Ann Romney ist sicherlich ein Aktivposten für die Wahlchancen ihres Mannes, schließlich erfüllt sie die klassischen Aufgaben einer Kandidatenfrau mit großer Hingabe: Sie vertritt ihren Mann bei Terminen, die er nicht wahrnehmen kann, macht ihn durch persönliche Anekdoten menschlicher und übersetzt seine politischen Positionen auf eine alltägliche Ebene. Auch Attacken gegen ihren Mann verurteilt sie regelmäßig (was zum Standardrepertoire jeder Kampagne gehört, da Stellungnahmen von PartnerInnen im Regelfall weniger leicht kritisiert werden können). Ein gutes Beispiel für die Rolle von Ann Romney ist dieser erfolgreiche Werbespot aus dem Jahr 2002, mit dem sich ihr Mann als Gouverneur von Massachusetts bewarb:

Doch auch die amtierende First Lady, Michelle Obama, ist intensiv in das Wahlkampfgeschehen involviert. So ist es alles anderes als ein Zufall, dass sie am dritten Tag der republikanischen Convention einen Auftritt in der Late Show von David Letterman hat, was den Republikanern ein Stück des Aufmerksamkeitskuchens kosten könnte.

Derartige Medientermine sind nur ein kleiner Mosaikstein der Rolle von Michelle Obama in diesem Wahlkampf. Ihre Hauptfunktion besteht darin, Frauen (und hier vor allem afro-amerikanische Frauen) zu mobilisieren – weshalb sie auch das Gesicht der „It Takes One“-Initiative der Obama-Kampagne ist. Dabei darf sie u. a. auf die Unterstützung prominenter Testimonials wie z. B. Beyoncé Giselle Knowles zählen:

Vielleicht bin ich durch die eine oder andere Kampagnenerfahrung schon zu skeptisch geworden, aber meines Erachtens ist der im Mittelpunkt dieses Spots stehende Brief von Beyoncé zu perfekt auf die Erwartungshaltung der (für die Demokraten relevanten) US-WählerInnen abgestimmt, um tatsächlich persönlich zu sein. Schon in den ersten Zeilen deckt er alle Facetten einer strategischen Positionierung ab:

  • Als „strong african american woman“ wird sie zum role model jener Wählerinnengruppe stilisiert, die maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass Barack Obama 2008 eine Mehrheit der Frauenstimmen erringen konnte.
  • Die Beschreibung als „caring mother“ und „loving wife“ sichert ihr positive Emotionen und spielt die politische Relevanz ihrer Rolle in den Hintergrund – schließlich können sich die Demokraten noch gut daran erinnern, dass der politisch ambitionierte „two-for-one“-Auftritt der damaligen First Lady Hillary Clinton bei den WählerInnen schlecht ankam.
  • Und als „true First Lady“ wird ihr – immerhin von einem Superstar – jener Glamour zugesprochen, der die erste Frau im Weißen Haus (nicht erst seit Jacqueline Kennedy) zur Stilikone macht.

Diese Positionierung von Michelle Obama basiert auf einer Analyse der Rezeption ihrer Vorgängerinnen – und wurde in den vergangenen vier Jahren konsequent erarbeitet. Einer ihrer Vorteile dabei ist, dass Präsidentengattinnen (trotz ihrer hohen Bekanntheit= nicht in die Tagespolitik involviert sind und sich daher aussuchen können, zu welchen gesellschaftlichen Anliegen sie sich exponieren. Nicht zuletzt deshalb weisen sie im Regelfall auch bessere Beliebtheitswerte als ihre Ehemänner auf. Dabei ist Hand in Hand mit der medialen Nachfrage nach klaren Profilen seit den 60er-Jahren ein Trend zur thematischen Fokussierung des gesellschaftliches Engagement der First Ladies beobachtbar: Denkmalpflege, Umweltschutz, Freiwilligenarbeit, Frauenrechte, Drogenprävention und Analphabetismus sind nur ein paar der Themen, denen sich die First Ladies seit Jackie Kennedy annahmen. Michelle Obamas Thema ist die Bekämpfung von Fettleibigkeit bei Kindern, für die sie die Initiative Let’s move ins Leben gerufen hat.

Höchstwahrscheinlich sind ihre persönlichen Interessen weitaus breiter gefächert – Michelle Obama ist immerhin die dritte First Lady in Folge, die einen Universitätsabschluss hat (sie rangierte im Dezember 2008 auf Rang 9 der einflussreichsten AbsolventInnen der Harvard Law School). Das schützt sie allerdings nicht davor, auch die traditionellen Aspekte ihrer Rolle zu erfüllen – und sei es bloß der „First Lady cookie contest“, an dem schon ihre Vorgängerinnen teilnehmen mussten.

Kein Gehalt, aber ein Dutzend MitarbeiterInnen

Michele Obama bekommt für ihr inoffizielles Amt übrigens kein Gehalt. Der Staat finanziert lediglich ihre Unterbringung um Weißen Haus, ihre Reisekosten und den Schutz ihrer Person. Dafür hat sie allerdings Anspruch auf einige MitarbeiterInnen, die ihr die Unterstützung des Präsidenten bei der Ausübung seiner Pflichten ermöglichen sollen („help the president to carry out the duties of the presidency“ heißt es im Jahresbudget des Weißen Hauses). Unter den 468 Mitgliedern des „White House Staff“ haben immerhin zwölf irgendeine Funktion im Zusammenhang mit der First Lady auf ihrer Visitenkarte stehen – von „Press Secretary“ über „Director of Correspondence“ bis hin zu „Deputy Director Of Advance And Traveling Aide“ (deren Gehaltskosten von über einer Million US-Dollar pro Jahr übrigens penibel genau veröffentlicht werden).

Doch auch dieses Team kann sie nicht vor einer eher unangenehmen Pflicht bewahren, die ihr – früher oder später – bevorstehen wird: Seit Edith Roosevelt im Jahr 1908 damit anfing, gehört es traditionell zu den letzten Aufgaben jeder First Lady, ihre Nachfolgerin durch das Weiße Haus zu führen – ein Termin, den kaum eine Präsidentengattin mit großer Freude absolviert hat. Im November wird sich zeigen, ob sie Ann Romney dazu einladen muss …

Dieser Beitrag ist von Stefan Bachleitner

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