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Analyse: Mitt hits the fan

49 Tage vor einer Wahl Abgesänge auf KandidatInnen schreiben, ist nichts was man eigentlich tun sollte. Aber wenn wir am 7. November aufwachen und Barack Obama wieder Präsident der Vereinigten Staaten ist, dann werden wir auf die vergangenen 2 Wochen zurückblicken und feststellen, dass es die zwei Wochen sind, in denen Mitt Romney die Wahl verloren hatte. Erst gestern haben wir von Romney’s Scheißwoche geschrieben und tatsächlich war es schon gestern eine solche. Doch dann kam es dicker: Mother Jones veröffentlichte ein Video (siehe unten), das bei einem nicht-öffentlichen Fundraiser im Mai dieses Jahres aufgenommen wurde. In diesem Video sagt er, vor Menschen, die $50,000 Eintritt bezahlt haben:

There are 47 percent of the people who will vote for the president no matter what. All right, there are 47 percent who are with him, who are dependent upon government, who believe that they are victims, who believe the government has a responsibility to care for them, who believe that they are entitled to health care, to food, to housing, to you-name-it. That that’s an entitlement. And the government should give it to them. And they will vote for this president no matter what…These are people who pay no income tax.

Cut to: This

Tatsächlich war mein erster Gedanke: Die Aussage wird misinterpretiert. Denn was er eigentlich sagt, ist doch eine Kampagnenweisheit: Die eine Hälfte wählt den anderen, die andere Hälfte wählt mich, und die brauch ich mich nicht kümmern. Mir geht es um die paar Swing Voter, die die Wahl für oder gegen mich entscheiden können.

Und damit hat er recht. Doch der Skandal ist was er über die andere Hälfte sagt: ”I’ll never convince them they should take personal responsibility and care for their lives.” Er hat sogar Recht mit der Zahl. Tatsächlich gibt es rund um 50% die keine Income Tax zahlen. Doch jene (Kinder, PensionistInnen und SoldatInnen ausgenommen) zahlen, weil sie zu wenig verdienen nur Payroll Tax, über die Social Security und Medicare finanziert wird. Für eine detaillierte Zahlen verweise ich an FORBES.

Das Argument ist kein Neues: In den USA heißen sie “Wellfare Queens,” in Österreich Sozialschmarotzer. Galant mit einem rassistischen Unterton versehen schimpfen jene die im gemachten Nest sitzen auf die, die’s nicht so leicht haben. Doch während üblicherweise gerade jene nicken, die am ehesten selbst in eine Situation geraten, Hilfe vom Staat zu brauchen, ist das einfacher wenn “die anderen” 10%. Aber wer 50% der Bevölkerung als Sozialschmarotzer hinstellt, noch dazu vor seinen MillionärsfreundInnen, der hat ein echtes Problem. Da braucht sich die Obama Kampagne gar nicht auf eine inhaltliche Diskussion einlassen. Sie veröffentlichte gestern Nacht ein Bild – das Titelbild des Blogs, mit der Botschaft: Das ist, was euer Typ über meine WählerInnen sagt, das ist, was wir über eure WählerInnen sagen.

Und als ob das nicht noch genug wäre, legt die Romneykampagne heute nach: “Now Boarding” ist die Betreffzeile und der Absender ist VP Kandidat Paul Ryan: “Be sure to enter for a chance to fly on the campaign plane with Mitt! This is an incredible opportunity to see the campaign from a unique perspective”

Vorschnelle Libya Statements? 50,000 WählerInnen.

Publikumsbeschimpfung? 500,000 WählerInnen.

Einladung im Privatjet mitzufliegen? Priceless.

Die gesammelten Videos – Romney spricht auch darüber, dass es viel leichter wäre, Präsident zu werden, wäre sein Vater echter Mexikaner – gibt’s bei Mother Jones. Das diskutierte Video:

PS: Titel des Posts courtesy of NY Daily News

Dieser Beitrag ist von Yussi Pick

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1 Rückmeldung zu “Analyse: Mitt hits the fan”

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  1. [...] Romneys „47 %-Sager“ sah es schon fast so aus, als könnte Barack Obama einen komfortablen Vorsprung herausholen und [...]


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