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TechTuesday: Tell Stories

“My name is Stacy Lihn and the Affordable Care Act saved my daughters life” die Demokratische Convention bot nicht nur KarrierepolitikerInnen und AufsteigerInnen eine Bühne, sondern auch einigen “Kleinen Männern” und Frauen. Denn die Obama Kampagne weiß: Zu sagen “Präsident Obama investierte XYZ Billionen um unsere PensionistInnen zu unterstützen” ist nicht so effektiv, wie wenn Carol Berman sagt: “I know first hand that Obamacare works.”

Let’s face it: Wir sind zwar alle Politikbegeistert, aber im Kern ist Politik trocken. Das beginnt bei öder JuristInnensprache, in der Gesetze geschrieben sind und geht zu langweiligen volkswirtschaftlichen Zahlen, Steuerquoten und Bruttoinlandsprodukten. Während die zu gestaltenden Systeme immer komplexer werden, werden die Vermittlungskanäle und die Aufmerkamkeitsspanne immer kürzer. In diesem Spannungsverhältnis müssen politische KommunikatorInnen Gesetzesinitiativen beschreiben und Erfolge verkaufen. Gerade, wenn es ums Gesundheitssystem geht, ist es de facto unmöglich, die unterschiedlichen Facetten zu erklären ohne zu verkürzen. Etwa wenn es um Lifetime Caps geht: Vor Obamacare war es bei Gesundheitsversicherungskonzernen üblich eine lebenslange Zahlungsdeckelung zu haben, also eine Summe nach der die Versicherung keine Services mehr zahlt. Diese Summe ist üblicherweise sechsstellig und daher nicht besonders greifbar. Wer verbraucht schon Millionen an Versicherungszahlungen? Die Antwort ist Zoe Lihn: ”By six months of age, Zoe was halfway through her lifetime cap.” Das zieht. Die Familie Lihn ist eine von mehreren, denen die Obama Kampagne eine Bühne auf der Convention gegeben hat. Sie wurden mit einem kurzen Video vorgestellt und wurden dann auf der Bühne gegrüßt.

Storytelling vom Feinsten. Der Plot hat alles: Eine Gefahr, die ein Opfer fordert, einen edlen Ritter der die Gefahr aus dem Weg räumt und einen Bösewicht: “because we need the Affordable Care Act to be intact.”

Die Familie sind nicht die einzigen mit einer guten Geschichte:

  • Carole Berman ist Pensionistin aus Florida, die ins Doughnut Hole gefallen ist (sie erklärt im Video was das ist)
  • Nathan Davis ist Veteran aus Ohio, der erzählt wie sehr Obama hinter den Truppen steht
  • Bill Butcher ist Unternehmer aus Virginia, der erzählt wie der Stimulus geholfen hat seine Brauerei aufzubauen
  • Johania Rames ist High School Schülerin, der geholfen hat dass Obama die Pell Grants verdoppelt hat.

Die Gruppe ist so divers, wie die TeilnehmerInnen des Parteitags: Alt, jung, Hispanic, African-American und wer genau schaut erkennt, woher sie kommen: Florida, Ohio, Virginia – die großen Battleground States.

YouTube killed the TV Star

Geschichten erzählen, das geht besonders gut auf YouTube, eine der größten Innovationen des Social Webs. Während andere Medien schon vor Zeiten des Internets durchaus low-budget pendants hatten, Mitgliederzeitungen etwa, war das Bewegtbild in der Hand von Fernsehen und Werbern. YouTube und Smartphones ändern das radikal: Jede/r mit einem funktionierenden iPhone und ein bisschen Talent kann Videos machen, wobei das Talent – bewiesen durch meine Videos – gar nicht so notwendig ist.

Die Geschichte trumpft dabei Qualität. Natürlich sind die Bilder der Obama Kampagne gestochen scharf, aber viel wichtiger als die Qualität der Bilder ist ihre Echtheit: Keine Inszenierung, keine SchauspielerInnen, keine Requisiten. Echte Menschen sprechen (in ganzen Sätzen) in die Kamera und erzählen ihre Geschichte. Das Learning für politische KommunikatorInnen in Europa: Nicht über Betroffene sprechen, sondern Betroffene sprechen lassen.

Dieser Beitrag ist von Yussi Pick

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1 Rückmeldung zu “TechTuesday: Tell Stories”

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  1. [...] “Storytelling” heißt das als Buzzword. Oder Geschichten erzählen. Bei Obama sieht das dann so aus. Vor allem die ÖVP hat sich Obama scheint’s zum Vorbild genommen, etwa mit ihrer [...]


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