Video Wednesday: Budget Crisis? No Problem!

Das obige Video offenbart zwar nur wenige Details über Ron Paul, aber trotzdem ersparen wir uns hier eine ausführliche Vorstellung dieses Kandidaten. Die US-Polit-Freaks kennen den alten Haudegen (bei seinem nunmehr dritten Anlauf zur US-Präsidentschaft) ohnehin schon seit längerer Zeit und alle anderen können (z. B. auf derStandard.at) eines der zahlreichen Porträts über ihn nachlesen.

Die Zusammenfassung solcher Beschreibungen ist letztlich immer die gleiche: Der Typ ist durchaus interessant, unkonventionell und eigenartig, aber irgendwie auch eine Spur zuviel neben der Spur. So ähnlich kommen auch seine TV-Werbespots daher: Man weiß nicht genau, ob er der Wolf im Schafspelz oder das Schaf im Wolfspelz ist. Seine Botschaft „Budget Crisis? No Problem!“ klingt jedenfalls einigermaßen bizarr.

Doch man muss der Fairness halber anmerken: Die Kampagne von Ron Paul ist durchaus erfolgreich – weil er seit rund 40 Jahren die gleiche Botschaft trommelt. Im primary state Iowa liegt er laut aktuellen Umfragen im Spitzenfeld – hinter Gingrich und vor Romney. Ein sehr aufschlussreicher Artikel in der New York Times führt dieses Phänomen u. a. darauf zurück, dass er sehr konsequent Nischengruppen unter den republikanischen WählerInnen anspricht, was in einem stark fragmentierten WählerInnenfeld durchaus zielführend sein kann. Denn in Iowa zählt organisatorische Stärke letztlich doppelt, da im dortigen Caucus-System eine verhältnismäßig kleine Zahl an WählerInnen über den Ausgang der Vorwahlen entscheidet. Außerdem ist es ein großer Unterschied, ob man eine/n KandidatIn bei einer Befragung gut findet oder ob man wirklich bereit ist, sich an einem 3. Jänner in Iowa (*brr*) auf den Weg zu machen, um in einem Caucus für diese/n KandidatIn zu stimmen. (Nicht zuletzt aus diesem Grund sind Umfragen aus Iowa übrigens auch immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.)

Ron Paul macht eine gute grassroots-Kampagne, ist durchaus effektiv im Fundraising und hat in den early primary states bereits einen nennenswerten Betrag für TV-Ads ausgegeben – und dabei auch (deutlich früher als Mitt Romney) den aktuellen Highflyer Newt Gingrich attackiert. Der Analyst Nate Silver gibt Ron Paul daher sogar eine 25 %-ige Chance, die Vorwahlen in Iowa zu gewinnen – was durchaus plausibel ist, denn man sollte nie vergessen, dass Gingrich trotz seines aktuellen Höhenflugs in Iowa über keine sehr starke Organisationsstruktur verfügt.

Trotzdem: Ein starkes Ergebnis für Ron Paul wäre ein schlechtes Zeichen für die Republikaner. Schließlich schafft Paul den eigenwilligen Spagat, einen Draht zur Tea Party zu haben – ohne die Herzen der republikanischen Basis ansprechen zu können – und gleichzeitig Credits von der #Occupy-Bewegung zu bekommen (schließlich kann die entfesselte Finanzwirtschaft auch auf die Abschaffung des Goldstandards unter Nixon zurückgeführt werden, die von Ron Paul seither vehement bekämpft wird).

Kurz: Ron Paul hat unter den Republikanern viele treue Fans, doch kein anderer Bewerber um die Nominierung der GOP polarisiert so stark wie er. Darum lege ich mich heute bereits fest: Selbst wenn er Iowa gewinnen sollte, wird er nicht zum Präsidentschaftkandidaten gekürt. Sein hipper Werbespot wird daran nichts ändern.

P.S.: Und ganz abgesehen davon erinnert der Clip ein wenig an die Ford-Werbekampagnen aus den Jahren 2009 und 2011

Dieser Beitrag ist von Stefan Bachleitner

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