Autorenarchive | Stefan Bachleitner

Vielen Dank!

Nach einem Jahr und 210 veröffentlichten Artikeln (also rund vier Texten pro Woche) ist es Zeit für uns, auf Wiedersehen zu sagen. Wobei „Wiedersehen“ durchaus wörtlich gemeint ist – die Domain usa2016.at haben wir bereits reserviert. Schließlich hat uns dieses Projekt viel Freude bereitet (und euch hoffentlich auch). Also dann: Bis zum nächsten Mal!

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Warum Obama gewonnen hat

Der Strategy Sunday ist Geschichte, aber um die Entzugserscheinungen ein wenig in Grenzen zu halten, hier eine kurze Analyse des Wahlergebnisses aus strategischer Sicht. Es handelt sich dabei um einen (nur ein wenig ergänzten) Gastkommentar von mir, der letztens in der Wiener Zeitung erschienen ist.

Barack Obamas Wahlsieg ist also deutlicher ausgefallen, als es die Schlagzeilen davor suggerierten. Dennoch war die Spannung davor in meinen Augen berechtigt. Ich teile zwar Tom Schaffers Kritik am etwas nervigen Horse Race Journalism, doch wie u. a. dieser interessante Artikel aus der New York Times dokumentiert, kaute das Obama-Camp an der ersten TV-Debatte doch schwerer als ich vermutet hätte. So oder so: Wer glaubt, Obamas Wiederwahl sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen, lässt sich von der deutlichen Verteilung der Wahlmännerstimmen blenden.

Beim „popular vote“ (also allen abgegeben Stimmen) um nur 2,3 Prozentpunkte vor dem Herausforderer zu liegen, ist ein historisch knapper Vorsprung für die Wiederwahl eines US-Präsidenten. (Üblicherweise bauen Amtsinhaber bei ihrer Wiederwahl den Vorsprung vor ihrem jeweiligen Herausforderer aus – oder werden abgewählt.) Mehr war aber angesichts der Tatsache, dass Obamas erste Amtszeit von der Wirtschaftskrise überschattet wurde, nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Noch vor einem Jahrzehnt hätten die Republikaner eine derartige Steilvorlage trocken verwertet und dem Amtsinhaber eine sichere Niederlage beschert. Mit einer höheren Arbeitslosenrate im Land wurde nur Franklin D. Roosevelt wiedergewählt – und das war 1936.

Warum also hat Obama so deutlich gewonnen? Es wäre zu einfach, seinen Erfolg mit den Spannungen innerhalb der Republikaner zu erklären. Auch wenn es dort unterschiedliche Vorstellungen über den richtigen Kurs geben mag: Gegen ihr gemeinsames Feindbild Obama ziehen von der Tea-Party-Anhängerin bis zum Country-Club-Republikaner alle an einem Strang. Auch Mitt Romney war nicht die größte Schwachstelle seiner Kampagne. So schlecht, wie es bei uns gerne dargestellt wurde, kann er mit 48,1 Prozent des „popular vote“ nicht angekommen sein. Selbst die demografische Entwicklung, die Minderheiten wie Latinos mehr Gewicht verleiht, ist keine taugliche Ausrede für Romneys deutliche Niederlage (wie es auch dieses heute in der taz erschienene Interview deutlich macht). Gerade Latinos haben mehrheitlich ein eher konservatives Weltbild, was George W. Bush noch auszunutzen wusste. Flügelkämpfe, Kandidatenschwächen, Demografie – natürlich haben alle diese Faktoren einen gewissen Einfluss darauf, dass sich Obama unter widrigsten Umständen durchsetzen konnte. Das Geheimnis seines Erfolgs offenbart aber erst ein Blick auf die Ergebnisse der wahlentscheidenden Bundesstaaten.

Denn wenn eine Kampagne in einem relativ knappen Rennen von neun Swing-States acht gewinnt, liegt das nicht am Glück, an guter Taktik oder gar an den Rahmenbedingungen (die für Obama alles andere als günstig waren): Wer von neun Spielen acht gewinnt, ist einfach haushoch überlegen. Die Überlegenheit der Kampagne Obamas resultiert daraus, dass sie die High-Tech-Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts erfolgreich mit Graswurzelarbeit verband. Im Hintergrund werkten Datenspezialisten an einem immer präziseren „Microtargeting“, das Wähler mit maßgeschneiderten Botschaften versorgte. An der Schnittstelle zwischen Datenwelt und echtem Leben liegen die sozialen Medien, über die Anhänger gefunden und mobilisiert wurden. Und im Vordergrund standen so traditionelle Wahlkampfmethoden wie Haustürbesuche, die durch erfolgreiches „Storytelling“ das Bild einer Bewegung von unten erzeugten. Nur mit diesen Methoden konnte Obama eine Wählerkoalition schmieden, die höchst unterschiedliche Zielgruppen verband: jüngere Wähler, Akademiker, unverheiratete Frauen, ethnische Minderheiten. Eine Koalition, die die demografische Entwicklung auf ihrer Seite hat.

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Strategy Sunday: Die wichtigste Regel

Den letzten „Strategy Sunday“ habe ich mir aufgehoben, um die – in meinen Augen – wichtigste Regel jeder Wahlkampagne zu enthüllen.

Am kommenden Dienstag wird in den USA gewählt und damit biegt auch diese Kolumne in die letzte Kurve ihrer 365 Tage langen Reise. Nur zwei Mal gab es im vergangenen Jahr keinen „Strategy Sunday“ – die heutige Ausgabe ist also nicht nur die letzte, sondern auch die Fünfzigste. Ein würdiger Anlass, um sich bei allen zu bedanken, die hier regelmäßig vorbeigeschaut haben. Euer Interesse, euer Feedback, eure Kommentare, Likes und Retweets waren der Treibstoff dieses Blogs und haben uns in jeder Phase dieses Projekts getragen und motiviert.

Noch größer ist mein Dank nur für jene, die diese Mission gemeinsam mit mir bestritten haben, also meine Kollegen Yussi und Josef, die sich als perfekte Blogpartner erwiesen haben. Es war mir eine große Ehre, Jungs. Mein ganz, ganz persönliches und allergrößtes Dankeschön gebührt allerdings meiner wunderbaren Frau Deborah, ohne deren Verständnis der „Strategy Sunday“ undenkbar gewesen wäre, denn sie musste in den vergangenen 52 Wochen verdammt viele Wochenendstunden auf mich verzichten. Danke für deine Geduld.

Wer jetzt geglaubt hat, Danke zu sagen ist die wichtige Regel jeder Kampagne liegt allerdings falsch. Sich in Wahlkämpfen zu bedanken ist außerordentlich wichtig, in meinem persönlichen Ranking von Kampagnenweisheiten belegt es allerdings nur den dritten Rang.

Auf dem zweiten Platz liegt für mich die Regel, seine Hausübungen zu machen – also die eigene Kampagne so gewissenhaft zu planen, dass sie auch auf das Unerwartbare vorbereitet ist. Wenn US-Präsident Obama nun aufgrund des guten Katastropeanagements rund um den Hurrikan „Sandy“ die Nase vorne hat, ist das der beste Beleg für die Bedeutung dieser Regel. (Statt hier ins Detail zu gehen möchte ich auf meinen „Strategy Sunday“ zum Thema „Krisenmanagement“ verweisen, der nichts an Gültigkeit verloren hat.)

Die für mich wichtigste Grundregel jeder Wahlkampagne ist aber eine andere. Sie lautet: Nach der Wahl ist vor der Wahl. Nur wer diese Regel beherzigt, denkt weit genug. In diesem Sinne freue ich mich schon auf unser Wiedersehen – natürlich auf usa2016.at

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Strategy Sunday: Wahlnachtvorbereitung

Der US-Wahlkampf liegt in der Schlusskurve. Es ist daher an der Zeit, sich ein paar strategische Gedanken über die Wahlnacht zu machen …

Österreich befindet sich schließlich in einer Zeitzone, die es uns nicht gerade leicht macht, die letzten und entscheidenden Höhepunkte dieser Wahl live mitzuerleben.

Darum gibt es diesmal von mir keine Kampagnentipps, sondern meine ganz persönliche Top Ten-Liste zum erfolgreichen Überleben der Wahlnacht:

  • 1. Beginnen Sie ein paar Tage vor der Wahl, jeden Tag eine Stunde später zu Essen, zu Bett gehen und aufzustehen. Auf diesem Weg kann der natürliche Schlafrhythmus relativ rasch um drei, vier Stunden nach hinten geschoben werden. Ich kenne ein paar Jetlag-geplagte Vielflieger, die darauf schwören.
  • 2. Verzichten Sie beim Wachbleiben auf Aufputschmittel etc., da diese den Körper zusätzlich belasten. Sie wollen schließlich nur Ihren natürlichen Schlafrhythmus ein wenig überlisten und nicht den Wahlabend im Krankenhaus verbringen.
  • 3. Stellen Sie Ihre Uhr am Wahltag auf eine US-Zeitzone um. Das ist eine ganz simple Maßnahme, um nicht schon ab 18.00 Uhr unserer Ortszeit unruhig auf die ersten Auszählungsergebnisse zu warten.
  • 4. Trinken Sie tagsüber viel Wasser und vermeiden Sie dehydrierende Flüssigkeiten wie Kaffee. Das gilt ja eigentlich immer, gerade wenn man länger aufbleiben möchte sollte man aber ein wenig auf den Flüssigkeitshaushalt achten.
  • 5. Essen Sie am Wahlabend proteinreich und vermeiden Sie Kohlenhydrate. Ich habe keine Ahnung ob das stimmt, dieser Tipp stammt von einem befreundeten Mediziner. Ein gut gegrilltes Steak passt aber ohnehin gut zur Einstimmung auf die US-Wahl.
  • 6. Machen Sie am späten Nachmittag/frühen Abend ein Nickerchen. Es ist clever, die Wahlnacht möglichst ausgeruht zu beginnen. Ein Stündchen Schlaf oder zumindest 20 Minuten power napping wirken da Wunder.
  • 7. Gehen Sie gemeinsam mit FreundInnen auf eine Wahlparty. Die Wartezeit auf die Ergebnisse vergeht schneller, wenn man Sie gemeinsam mit Bekannten verbringt. USA2012.at wird leider keine Wahlparty organisieren, da Yussi und ich diese Nacht im ORF-Wahlstudio verbringen werden. Wer einen Veranstaltungstipp hat, möge ihn aber bitte hier posten …
  • 8. Trinken Sie dort vor Mitternacht möglichst keinen Alkohol. Auch wenn die Stimmung gut ist: Wer um 20.00 Uhr in Partylaune das erste Bier trinkt, sollte Bedenken, dass es um diese Zeit in Los Angeles erst 11.00 Uhr morgens ist und es noch locker sechs, sieben Stunden dauert, bis es richtig spannend wird.
  • 9. Nehmen Sie sich am nächsten Tag frei. Zumindest sollten Sie am Vormittag des 7. November keine wichtigen Besprechungen terminisieren. Falls doch, bereuen Sie das entweder in der Wahlnacht oder – noch schlimmer – am Vormittag des 7. November.
  • 10. Gehen Sie am nächsten Tag spazieren und vermeiden Sie anstrengende Aktivitäten. Wieder ein Tipp vom Medizinmann: Etwas Bewegung ist gut für den Kreislauf und hilft, den Jetlag rascher zu verdauen. Übermüdet sollte man aber etwas schonender mit seinem Körper umgehen.

Also: Viel Spaß mit der US-Wahlnacht und schaltet doch mal bei uns im ORF-Wahlstudio vorbei …

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Strategy Sunday: Reden

Wenn wir die Reden hören, die Barack Obama und Mitt Romney in diesem Wahlkampf halten, achten wir vor allem auf die Unterschiede zwischen den beiden Kandidaten. Dabei haben ihre Reden – bei allen politischen Differenzen – etwas gemeinsam: die Rhetorik.

Zwei große Ansprachen haben die Redenschreiber der beiden Kandidaten in diesem Wahljahr noch auf ihrer ToDo-Liste – doch nur eine davon werden wir am Wahlabend zu hören bekommen.

Zuerst, so verlangt es die Tradition, wird der Verlierer seine concession speech halten und den Schwanengesang auf seine verlorene Kampagne anstimmen. Er wird dabei seinen UnterstützerInnen, ganz besonders seiner Familie und natürlich auch den WählerInnen danken. Er wird darauf hinweisen, dass seine Kampagne trotz der Niederlage einige bemerkenswerte Erfolge erzielen konnte und die Bedeutung der von ihm angesprochenen Themen unterstreichen. Und er wird dem Gewinner zu dessen Wahlerfolg gratulieren und ihm alles Gute für die bevorstehende Amtszeit wünschen.

Danach folgt die acceptance speech des erfolgreichen Kandidaten, die sich – mal ganz abgesehen von der Grundstimmung – an der gleichen Struktur orientiert: Er wird ebenfalls vielen Menschen danken (darunter auch dem Verlierer, der eigentlich ein toller Typ ist), die historische Dimension seines Erfolgs betonen und – alles andere wäre verwunderlich – mit einem „God Bless the United States of America“ enden.

Zur Einstimmung hier die acceptance speech, mit der Barack Obama vor vier Jahren im Grant Park von Chicago zum ersten Mal als President-elect zu den rund 240.000 versammelten Menschen sprach:

Neben seiner keynote adress im Rahmen der Democratic National Convention 2004 – die ihn landesweit bekannt machte – und seiner bemerkenswerten Rede A More Perfect Union im Wahlkampf 2008 dürfte es sich dabei um eine der wichtigsten Reden Obamas gehandelt haben. Wir werden sehen, ob er die Gelegenheit haben wird, diese Liste am 6. November zu ergänzen.

Abhängig vom Anlass (z. B. Wahlsieg, Amtsantritt, State of the Union, Kriegserklärung etc.) gelten in den USA sowohl für den Inhalt, als auch für die Struktur einer Rede bestimmte Traditionen und Konventionen. Eine typische Wahlkampfrede sieht z. B. so aus:

Gut strukturiert

Es gibt natürlich unzählige Möglichkeiten, eine solche Rede aufzubauen. Diese hier folgt den Prinzipien von Monroe’s Motivated Sequence (MMS), einer sehr populären Redestruktur, die – bewusst oder unbewusst – bei vielen politischen Reden (nicht nur in den USA) zum Einsatz kommt. MMS besteht aus fünf Bausteinen:

  • Attention: Zuerst muss man die Aufmerksamkeit der Menschen gewinnen – denn ein Publikum, das nicht zuhört, kann von nichts überzeugt werden. Eine bewährte Methode dafür ist z. B. das Erzählen einer sehr persönlichen Geschichte. (Dieser Teil und die gesamte die Begrüßung fehlen in der obigen Sequenz.)
  • Need (Problem): Hat man die Aufmerksamkeit des Publikums, kann damit begonnen werden, ein Problem darzustellen bzw. einen Handlungsbedarf aufzuzeigen. Entscheidend dabei ist, eine Verbindung zwischen dem Problem und dem Publikum – also eine gewisse Form von Betroffenheit – herstellen zu können.
  • Satisfaction (Solution): Erst wenn das Problembewusstsein geschaffen wurde, kann die Lösung dafür präsentiert werden. Dabei geht es aber nicht bloß darum, die Lösung beim Namen zu nennen, sie muss auch entsprechend plausibel und machbar dargestellt werden.
  • Visualization: Es genügt aber noch nicht, die Lösung zu präsentieren. Entscheidend ist, den ZuhörerInnen sichtbar zu machen, wie sich diese Lösung positiv auf ihr Leben auswirken wird.
  • Action: Am Ende werden die ZuhörerInnen dann zu einer Handlung aufgefordert.

Tu felix austria … übe

In Österreich hat die politische Rede leider nicht den Stellenwert, den sie verdienen würde. Das ist schade, denn sie ist – nicht nur im Parlament – eine Kerndisziplin der Politik. Gute Reden wirken weit über die sound bites hinaus, die es in die Medien schaffen, denn sie werden zu einem persönlichen Erlebnis der ZuhörerInnen, können Menschen wirklich berühren und sie damit für ein Anliegen und/oder eine/n KandidatIn begeistern.

Dennoch wird hierzulande weder der Formulierung noch der Präsentation von Reden ein sonderlich hoher Stellenwert eingeräumt. Viele PolitikerInnen überlassen das Schreiben von Reden ihren Presseleuten, nicht wenige SpitzenfunktionärInnen formulieren ihre Reden sogar im Alleingang – schließlich haben sie viele Jahre Übung und ein paar Seminare in einer Parteiakademie hinter sich. Echte Profis kümmern sich in Österreich aber nur in den seltensten Fällen um das Verfassen von Reden.

Auch bewährte Hilfsmittel wie den Teleprompter hat man in hiesigen Kampagnen bislang so gut wie nie gesehen. Dabei ist dieser elektronische Souffleur – wenn man damit umgehen kann – ungemein nützlich, weil sich der/die Redner/in stärker darauf konzentrieren kann, die Inhalte wirkungsvoll zu präsentieren. Sonderlich neu ist diese Technologie jedenfalls nicht, in den USA kommt sie bereits seit den 1950er-Jahren bei politischen Reden zum Einsatz. Mit Ausnahme von Richard Nixon hat jeder US-Präsident seit Eisenhower eine Form von Teleprompter verwendet.

Obamas zwei Geheimnisse

Obamas Ruf, ein exzellenter Redner zu sein, beruht auf diesen zwei Faktoren: Zum Einen kann er souverän mit dem Teleprompter umgehen und sich dabei voll seinem Ausdruck widmen (eine Obama-Rede ohne Teleprompter ist hingehen, äh, na ja). Und zum Anderen hat er ausgezeichnete RedenschreiberInnen.

An den Ansprachen des US-Präsidenten feilen ganze Teams rund um Obamas (gerade einmal 31 Jahre jungen) Director of Speechwriting Jon Favreau. Alles andere wäre organisatorisch auch undenkbar, schließlich ist es schon vorgekommen, dass der Amtsinhaber in einem Monat über 50 verschiedene Reden halten muss. Entsprechend eingespielt ist die Redenschmiede rund um den US-Präsidenten. Im Gegensatz dazu dürfte sein Herausforderer Mitt Romney gerne bis zur letzten Minute selbst an seinen Reden basteln, wie manche Medien berichten. Doch auch er beschäftigt in seiner Kampagne zahlreiche RedenschreiberInnen.

Darf es ein bisserl mehr sein?

Ein interessanter Buchtipp in diesem Zusammenhang ist übrigens „The Political Speechwriter’s Companion – A Guide for Writers and Speakers“. Verfasst wurde dieses Buch von Robert Lehrmann, den Yussi Pick im Rahmen der demokratischen Convention interviewt hat.

Lehrman analysiert in diesem Buch sehr systematisch die Techniken und Strategien moderner politischer Reden. Allen, die solche Reden schreiben (oder halten) wollen/müssen, können wir dieses Buch daher nur wärmstens empfehlen …

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USA2012.at – live in Salzburg.

SalzburgerInnen, aufgepasst: Am kommenden Mittwoch, den 24. Oktober, diskutiere ich auf einer Veranstaltung des Club 1 mit Prof. Reinhard Heinisch, seines Zeichens Fachbereichsleiter der Politikwissenschaft Salzburg, über die bevorstehenden US-Wahlen.

Hier die Eckdaten:

  • Mittwoch, 24. Oktober 2012
  • ab 19.00 Uhr
  • im E.003 („E. Geisler“-Hörsaal)
  • im Unipark Nonntal der Universität Salzburg

Ich freue mich auf diese Diskussion und hoffe, dass auch ein paar LeserInnen unseres Blogs diese Gelegenheit nutzen.

Weitere Details zu dieser Veranstaltung (und die Möglichkeit zur Anmeldung) gibt es hier:
https://www.facebook.com/events/109205745904835/

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Strategy Sunday: Hispanics

Ich habe es bislang vermieden, in diesem US-Wahlkampf Prognosen abzugeben – denn was heute logisch klingt, wird oft morgen schon von der Wirklichkeit widerlegt. Doch wenn ich eine Wette abgeben müsste, dann würde ich darauf tippen, dass US-Präsident Obama in der kommenden TV-Debatte eine klare Ansage in Richtung Latinos und Hispanics machen wird. Tut er das nicht, würde er seinen Wiederwahlbemühungen einen schlechten Dienst erweisen.

Nachdem Mitt Romney in den Umfragen zuletzt deutlich aufgeholt hat (laut Nate Silvers Blog liegt die Wahrscheinlichkeit eines Romney-Wahlerfolgs bereits Nahe an der 40-Prozent-Marke), dürfte sich Barack Obama Medienberichten zufolge wohl deutlich gewissenhafter auf die bevorstehende TV-Konfrontation vorbereiten als zuletzt. Dabei sollte er meiner Meinung nach auch den einen oder anderen sound bite zur Mobilisierung von Latinos und Hispanics einstudieren – denn diese Gruppe dürfte wahlentscheidend werden.

Schließlich verfügt der Amtsinhaber allen Umfragen zufolge in dieser wichtigen WählerInnengruppe über einen mehr als soliden Vorsprung (im Bereich von über zwei Drittel der Wahlberechtigten) – doch deren Bereitschaft, sich in diesem Jahr an der Wahl zu beteiligen, ist deutlich niedriger als noch 2008 (und liegt generell unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung). Umso verwunderlicher ist, dass Obama diese Gruppe im ersten Fernsehduell nicht direkt angesprochen hat.

Latinos oder Hispanics?

Vorweg ein wenig Begriffsklärung: Die Bezeichnungen Latinos und Hispanics werden (auch in den USA) oft synonym verwendet, beziehen sich aber nicht auf die selben Bevölkerungsgruppen. Mit Latinos sind jene US-EinwohnerInnen gemeint, die bzw. deren Vorfahren aus Mittel- und Südamerika (also „Lateinamerika“) eingewandert sind. Dementsprechend gibt es auch Latinos, deren Muttersprache portugiesisch ist, während US-AmerikanerInnen, deren Vorfahren im Zuge der Kolonialisierung des Kontinents aus Spanien einwanderten (und z. B. an der Gründung Floridas beteiligt waren), definitionsgemäß keine Latinos sind. Diese Gruppe wird vielmehr durch den Begriff Hispanics abgedeckt, der erst in den 1970er-Jahren im politischen Sprachgebrauch der USA üblich wurde und alle EinwohnerInnen umfasst, die spanischer oder hispanoamerikanischer Herkunft sind – also aus jenen Ländern stammen, in denen mehrheitlich spanisch gesprochen wird.

Wachsender Einfluss

Die inzwischen über 50 Millionen Hispanics und Latinos bilden nicht nur die größte Minderheit in den USA, sie sind auch die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe. Waren bei der US-Volkzählung im Jahr 2000 noch 12,5 % der US-Bevölkerung Hispanics oder Latinos, wurden 2010 bereits 16,3 % der Bevölkerung dieser Gruppe zugerechnet. Dieser Trend wird sich fortsetzen, denn bereits ein Viertel der US-AmerikanerInnen unter 18 ist, richtig geraten, Latino oder Hispanic. Einflussreich macht diese Gruppe auch die Tatsache, dass sie in großen US-Bundesstaaten wie Kalifornien, Texas oder Florida einen überdurchschnittlichen Bevölkerungsanteil einnimmt und in einigen der wahlentscheidenden swing states das „Zünglein an der Waage“ ist.

DREAM? Act!

Dieser Einfluss zeigt sich nicht zuletzt in der Migrationspolitik. So ist die Frage der Legalisierung undokumentierter EinwandererInnen nicht erst bei dieser Wahl ein Schlüsselthema für die Latinos, von denen immerhin mehr als die Hälfte mexikanische Wurzeln haben – und in deren Familien es fast immer Bekannte oder Verwandte gibt, die unmittelbar vom Immigrationsrecht betroffen ist.

Erst im Juni diese Jahres konnte Obama in dieser WählerInnengruppe damit punkten, dass er EinwandererInnen, die als Kinder oder Jugendliche illegal in die USA gekommen waren, unter bestimmten Kriterien ein Bleiberecht einräumte. Der US-Präsident schuf mit seiner Verordnung einen vorübergehenden Ersatz für den sogenannten DREAM Act, der entsprechende Regeln zum Bundesgesetz erheben würde, aber bislang am Widerstand der Republikaner gescheitert ist.

Romney wiederum musste im Zuge der republikanischen Vorwahlen eine eher strikte Position in punkto Legalisierung von EinwandererInnen einnehmen – die er aber seit seiner Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner eindeutig abgeschwächt hat.

¿Habla español?

Das Bemühen um die Stimmen der Latinos und Hispanics ist allerdings nicht nur mit bestimmten Themen verbunden. So ist im Kampf um hispano-amerikanische WählerInnenstimmen z. B. spanischsprachige Wahlwerbung heute absolut üblich. Entsprechende TV-Spots in swing states mit starkem Latino-Anteil sowie die entsprechende Kampagnenseiten von Obama und Romney gehören inzwischen zum Standardprogramm jedes Kandidaten.

Während es bei uns schon Schlagzeilen wert ist, wenn der Bundespräsident drei Wörter in slowenischer Sprache spricht, überrascht es in den USA niemanden, wenn das Staatsoberhaupt eine gewichtige Minderheit in ihrer Sprache anspricht:

Das Obama-Camp investiert deutlich mehr in spanischsprachige Werbung als sein Herausforderer, doch auch Mitt Romney bemüht sich redlich um die Stimmen der Latinos und Hispanics – wahrscheinlich sogar mehr als jeder republikanische Präsidentschaftskandidat vor ihm. Dabei kommt ihm zugute, das auch für diese WählerInnengruppe der Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Entwicklung der USA die wichtigsten politischen Themen sind. In dieses Horn stoßen auch die prominenten Latinos in den Reihen der Republikaner wie z. B. deren großer Hoffnungsträger Marco Rubio, seines Zeichens Senator für Florida, sowie die republikanische Gouverneurin von New Mexico, Susana Martinez – denen im Rahmen der republikanischen Convention dieses Jahr wichtige Auftritte zugewiesen wurden.

Romneys bester Werbeträger ist meines Erachtens aber sein jüngster Sohn Craig, der fließend Spanisch spricht und damit nicht nur im Rahmen einer eigenen Rede auf der republikanischen Convention, sondern auch in eigenen Werbespots punkten kann:

Mal ehrlich: So spanisch ist Ihnen Mitt Romney noch nie vorgekommen, oder? Sein Sohn Craig spricht in diesem Spot übrigens auch ein Detail an, das hierzulande bislang kaum berichtet wurde, nämlich die Tatsache, dass Mitts Großvater den Großteil seines Lebens in Mexiko verbracht hat und Romneys Vater in Mexiko geboren wurde – weshalb Mitt sogar Anspruch auf eine amerikanisch-mexikanische Doppelstaatsbürgerschaft haben könnte. Richtig ausschlachten kann Romney seine mexican roots allerdings nicht, denn der Haken an dieser Story ist, dass Romneys Vorfahren als Mormonen nach Mexiko auswanderten, weil der Bundesstaat Utah ein Gesetz gegen Polygamie erlassen hatte. Erst die Wirren des mexikanischen Bürgerkriegs bewogen die Familie, zurück in die Vereinigten Staaten zu ziehen.

Doch damit zurück zu den bevorstehenden US-Wahlen. Die Demokraten haben generell eine deutliche Mehrheit der Latinos und Hispanics auf ihrer Seite – doch die müssen sie erst einmal zu den Wahlurnen bringen. Wenn Mitt Romney in den letzten Umfragen aufholt, dann liegt das auch an der schwindenden Motivation dieser WählerInnengruppe. Meines Erachtens muss Barack Obama daher bei der bevorstehenden TV-Debatte ein klares Signal in Richtung dieser Zielgruppe setzen – sonst läuft er Gefahr, eine tragende Säule seiner winning coalition zu verlieren.

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Best of Wahlkampf(videos): Die Playlist

Hier ist die offizielle Playlist für unsere heutige Veranstaltung im Filmcasino. Wer nicht dabei sein konnte oder einen der Spots noch einmal sehen möchte, kann das hier tun. Wir wünschen viel Spaß dabei …

Zur Einstimmung fangen wir am besten mit einer, äh, Einstimmung an. Mit diesem Rückblick auf die Wahl 2008 und den Highlights der vergangenen vier Jahre stimmte Barack Obama seine Fans auf die Wiederwahlkampagne ein – konsequent aus der Social Media-Perspektive erzählt: The Story of Us (4:31)

Doch eine Zusammenfassung dieser election season muss eigentlich mit den republikanischen Vorwahlen beginnen. Einer der ersten Favoriten in diesem Rennen war Rick Perry, seines Zeichens Gouverneur von Texas. Dazu trugen auch Szenen wie die folgende bei. Beachtenswert ist dabei übrigens weniger die Antwort Perrys auf die Frage der Moderatoren, sondern die Reaktion des Publikums darauf: The Ultimate Justice (2:00)

Perry hatte echt verdammt gute Chancen – bis zu seinem verdammt peinlichen Aussetzer bei einer der republikanischen Vorwahldebatten. 50 Sekunden können echt eine Ewigkeit sein: Oops (0:53)

Der Gouverneur von Texas versuchte immerhin mit Humor Schadensbegrenzung zu betreiben: Leno Ad (0:31)

Gleichzeitig appellierte er mit betont religiösen Botschaften an die republikanischen KernwählerInnen: Strong (0:31)

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Wahlkampfspots in den USA sehr gerne parodiert werden. Hier ist eines von unzähligen Beispielen dafür: Jacket (0:32)

Doch Perrys Bemühungen waren umsonst, seine Kampagne war Toast. Prompt setzte die Anyone But Romney-Fraktion auf den CEO von Godfather’s Pizza, Herman Cain. Dessen Campaign Manager ist im wahrsten Sinne des Wortes für einen der seltsamsten Werbespots dieses Jahres verantwortlich: Mark Block (0:56)

Die Reaktion der Töchter des republikanischen Bewerbers Jon Huntsman auf diesen Spot war übrigens der beste Moment von dessen Kampagne: Jon2012girls Smokin’ Ad (1:07)

Zwar konnte Herman Cain mit seinem 9-9-9-Plan punkten, doch rasch traten auch seine Schwächen zutage. Zuerst in Sachen Außenpolitik: Herman Cain on Libya (1:28)

Dann in Sachen Frauen, wo er starke Erinnerungslücken im Zusammenhang mit gegen ihn gerichteten Vorwürfen wegen sexueller Belästigung an den Tag legte: Herman Cain Harassment Mashup (1:13)

Cains Kampagne war damit am Ende. Aber er verabschiedete sich immerhin mit einem der, nun ja, eigenwilligsten Spots dieses Jahres: Rabbit. (0:37)

Damit war der Weg frei für Newt Gingrich. Der alte Hase im Rennen um die US-Präsidentschaft versuchte zumindest ansatzweise, sich in einem von Negativwerbung dominierten Vorwahlkampf positiv abzuheben: Rebuilding the America We Love (1:01)

Doch Gingrich wurde durch die negative ads von Mitt Romney und anderen Mitbewerbern wie Ron Paul zurück in die zweite Reihe gebombt. Romney setzte dabei auch einen Spot ein, der aus heutiger Sicht durchaus bemerkenswert ist: Allies (1:01)

Der ehemalige Speaker of The House musste die Samthandschuhe bald ausziehen, wie dieser Spot hier zeigt: The French Connection (1:08)

Newt Gingrich (bzw. sein Super-PAC Winning Our Future) legte sogar noch nach – und brachte (mit einem für republikanische Verhältnisse bemerkenswert kapitalismuskritischen Unterton) einen in diesem Jahr zentralen Kritikpunkt gegen Mitt Romney ins Spiel – Bain Capital: When Mitt Romney Came To Town (Official Trailer) (2:46)

Doch der zur Unterstützung Mitt Romneys gegründete Super-PAC Restore Our Future war nicht weniger zimperlich, die Fehltritte der jahrzehntelangen Politikerkarriere Gingrichs zu thematisieren: Baggage (1:02)

Am Ende blieb Rick Santorum als größter Herausforderer von Mitt Romney übrig. Er darf sich hier kurz selbst vorstellen: Sing Sing Sing (0:30)

Bei den RepublikanerInnen konnte Santorum u. a. mit direkten Attacken auf Barack Obama punkten: Obamaville (1:05)

Doch wie wir alle wissen, hatte Mitt Romney letztlich den längeren Atem und konnte sich die Nominierung zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten sichern. Hier ein Wahlkampfspot, den seine Kampagne in der vergangenen Woche veröffentlicht hat: Too Many Americans (1:01)

Die Jimmy Kimmel Show hat übrigens eine Parodie auf diesen Spot erstellt, die Romneys größtes Problem bei dieser Wahl auf den Punkt bringt: New Mitt Romney Ad (1:12)

Bevor es hier nur noch um die Republikaner geht, wollen wir uns wieder der Obama-Kampagne zuwenden. Diese hat sich in heuer in jeder Hinsicht dem Storytelling verschrieben. Der folgende Spot – mit dem die AnhängerInnen des Amtsinhabers wieder in die enthusiastische Stimmung des Jahres 2008 versetzt werden sollten – ist ein schönes Beispiel dafür: The Story of “Fired up! Ready to go!” (4:31)

Obama muss in doppelter Hinsicht etwas für die Motivation seiner Fans tun. Die schwächelnde US-Wirtschaft ist nicht gerade eine Wahlempfehlung für einen US-Präsidenten, der ganz besonder auf engagierte WahlkämpferInnen vor Ort – wie sie im folgenden Video zu sehen sind – angewiesen ist: OFA Iowa: Sign Up for a Gotta Vote Early Weekend of Action (2:24)

Ein zusätzliches Problem für Obama ist, dass seit 2008 in zahlreichen US-Bundesstaaten Wahlrechtsänderungen beschlossen wurden, die seine WählerInnen benachteiligen. Diesen Umstand thematisiert auch Sarah Silverman in einem Video-Appell: Let My People Vote 2012 – Get Nana A Gun (3:52)

Zeit für ein wenig Kampagnengeschichte. Denn Obama tritt gegen eine Botschaft an, mit der Ronald Reagan 1980 die Präsidentschaftswahl gegen den glücklosen Jimmy Carter gewann: Are you better off than you were four years ago? (1:05)

Apropos Reagan. Um nicht Opfer seiner eigenen Frage zu werden, bediente er sich 1984 dieses – inzwischen legendären – Wahlkampfspots: Morning again in America (0:59)

Im gleichen Wahlkampf ergänzte er diese Idylle mit einem (auf die damals schon eher desolate Sowjetunion gemünzten) Bedrohungsszenario: The Bear (0:30)

Reagans Nachfolger Georg H. W. Bush punktete gegen seinen Herausforderer Michael Dukakis u. a. mit Frontalangriffen wie diesem hier: Willie Horton (0:32)

1992 griff wiederum Bill Clinton den Amtsinhaber an – und schlug ihn nicht zuletzt durch pointierte attack ads wie dieser hier: Read my lips (0:29)

1996 orientierte sich Clinton hingegen an Reagans Morning again in America-Spot, wie man hier sehen kann: Clinton’s Reelection Ad (0:29)

Tiere scheinen prädestiniert für campaign ads zu sein, die Geschichte schreiben. 20 Jahre nach der erfolgreichen Wiederwahlkampagne von Ronald Reagan verwendete George W. Bush ein sehr ähnliches Motiv: Wolves (0:30)

Selbes Jahr, selbe Kampagne. Mit Spots wie diesem hier zerstörte Bush 2004 die Präsidentschaftsambitionen von John Kerry endgültig: Windsurfing (0:30)

Damit schwenken wir zurück in die Gegenwart. Der Vorwurf des flip-flopping wird in diesem Jahr gegen Mitt Romney gerichtet. Nachdem dessen ideologische Flexibilität bereits bei den republikanischen Vorwahlen ein Thema war, wurde das Thema von der Obama-Kampagne dankbar verstärkt: Mitt vs. Mitt (4:00)

Blieben wir bei der Obama-Kampagne. Ein weiteres Beispiel für deren Storytelling ist dieser – sehr aufwändig gestaltete – Spot, der das zentrale Thema dieser Wahl aus Sicht der Obama-Kampagne definiert: Why Obama now (3:43)

Wir sehen also, dass die US-Wirtschaft wieder das zentrale Thema dieses Wahlkampfs ist. It’s the economy, stupid. Während das Obama-Camp in Frage stellt, was Mitt Romney wirklich glaubt, verspricht der Kandidat der Republikaner mit dem Slogan Believe in America den US-BürgerInnen ein Comeback ihres Landes – nicht nur mit neuen Jobs, sondern auch mit einem neuen Selbstbewusstsein: Anything Is Possible (1:28)

Derartige feelgood-Spots sind aber nur Begleitmusik im republikanischen Wahlkampf. Im Mittelpunkt stehen Attacken auf den Amtsinhaber, die sich – wie auch dieses Video hier zeigt – um die hohe Arbeitslosigkeit im Land drehen: Bump in the Road (1:40)

Schon bei den (für die Demokraten wenig erfreulichen) midterm elections 2010 versuchte Barack Obama, diesen Vorwurf zu neutralisieren, indem er die Verantwortung für Wirtschaftskrise den Republikanern zuschob: Car Keys (2:31)

Vor zwei Jahren mussten die Demokraten erfahren, dass gute Pointen nicht reichen. In diesem Jahr kontert die Obama-Kampagne entsprechende Attacken auch mit dem Vorwurf, dass durch RomneyEcomomics schon genug US-Jobs verloren gegangen sind: Steel (2:02)

Verdichtet wird diese Botschaft mit Spots wie diesem hier: Romney Singing (0:32)

Mitt Romney kann übrigens nicht nur singen. Er kann auch tanzen: Mitt Romney Style (2:52)

Und er hat sogar eine entsprechende Tanzpartnerin: I’m a Romney Girl (3:06)

Doch das Rennen ist noch nicht entschieden. Hier z. B. ein republikanischer Werbespot, der Romneys beste Passagen aus der Kandidatendebatte von letzter Woche einsetzt – und beweist, wie schnell US-Wahlkampf ist: Smirk (1:39)

Auch das Obama-Camp hat aus der TV-Diskussion eine attack ad gebastelt: Big Bird (0:31)

Übrigens: Die meisten der diesjährigen (mehrheitlich negativen) Wahlkampfspots wurden erst durch Super-PACs ermöglicht. Diese an keine finanziellen Beschränkungen gebundenen Wasserstoffbomben der Wahlwerbung dürfen sich offiziell nicht mit den Kampagnen der KandidatInnen koordinieren. Was das genau bedeutet, haben allerdings Jon Stewart und Stephen Colbert gezeigt: Colbert Super PAC – Not Coordinating with Stephen Colbert (8:38)

Wir beschließen diesen Abend – beinahe schon traditionell – mit der Bewerbung von Dale Peterson für die Funktion des Agricultural Commissioner im US-Bundesstaat Alabama: We are Better than That!!!!! (1:10)

Und als Zugabe: Dale Peterson wurde zwar nicht gewählt – aber sein Endorsement für einen seiner republikanischen Mitbewerber hat es auch in sich: Get Away From That! (1:04)

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Strategy Sunday: Die letzten Meter

Für das breite Publikum hat der US-Wahlkampf eben erst begonnen, doch in Wirklichkeit befindet er sich bereits auf den letzten Metern. Jetzt ist die Zeit, in der Kampagnen Nerven bewahren und noch ein letztes Mal alle Kräfte mobilisieren müssen – neu erfinden können sie sich hingegen nicht mehr.

Mit der ersten presidential debate hat in dieser Woche die letztes Phase des heurigen US-Wahlkampf begonnen. Seit über einem Jahr sind die Kampagnenteams bereits im Einsatz, doch viele WählerInnen fangen erst an, ihre werblichen Bemühungen allmählich zu registrieren – schließlich gibt es wichtigere Dinge im Leben als Politik. Wäre dieses Rennen ein Marathon (und das ist es weitaus eher als eine Sprintdistanz), dann hätten wir gerade Kilometer 40 oder 41 hinter uns gelassen – das Ziel ist jedenfalls nicht mehr weit.

Nach Romneys „47 %-Sager“ sah es schon fast so aus, als könnte Barack Obama einen komfortablen Vorsprung herausholen und müsste bloß noch darauf achten, die Schlussdistanz stolperfrei zu überstehen. Doch Mitt Romney hat die erste TV-Konfrontation für einen Zwischensprint genutzt, der ihn wieder auf Sichtweite an den Amtsinhaber herangebracht hat. Mein Blogkollege Yussi Pick hatte es am Mittwoch schon geahnt: Medien lieben Comeback-Geschichten. Auch das ist kennzeichnend für die Schlussphase jedes Wahlkampfs, doch sehen wir uns zuerst die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Woche an …

Tatsache ist, dass Romney auf die Diskussion in Denver sehr gut vorbereitet war und damit überraschen konnte, deutlich energischer (und sogar lockerer) zu wirken als der US-Präsident. Wie schon bei seiner acceptance speech im Rahmen des demokratischen Parteikonvents vermied Obama große Töne – kam damit aber eher müde als besonnen über den Bildschirm. Letztlich entschied das expectation game die Debatte, denn der Amtsinhaber entsprach nicht den Erwartungen, während sein republikanischer Herausforderer diese übererfüllte.

Nein, das war keine Taktik von Obama …

Ich bin danach von einigen Leuten gefragt worden, ob hinter diesem schwachen Auftritt Obamas nicht auch eine Taktik gesteckt haben kann – er könnte ja bewusst die Erwartungen heruntergeschraubt haben, um bei den nächsten Debatten zu triumphieren. Meine Antwort darauf ist eindeutig: Nein, es war keine Taktik – weil es eine ziemlich schlechte Taktik gewesen wäre. Wie ich neulich bereits erläutert habe, sind die Wahlen bereits angelaufen, dementsprechend zählt jeder Tag nun doppelt. Verlorenes Momentum kostet echte Stimmen, wichtige Spendengelder und viel Energie – was sich nur mit einem entsprechenden Kraftakt wettmachen lässt.

In meinen Augen hat Obama bei der dieswöchigen Debatte einen Matchball vergeben, schließlich hätte er mit einem klaren Debattensieg der angeschlagenen Kampagne seines Herausforderers einen wohl tödlichen Stoss verpasst. Doch natürlich hat der Punktesieg Romneys auch ein paar positive Seiten für das Obama-Camp, z. B. werden nun einige AnhängerInnen, die das Rennen bereits für gelaufen hielten, noch einmal wachgerüttelt und mobilisiert. Letztlich überwiegen aber die Nachteile die Vorteile – darum haben wir hier keine verborgene Taktik, sondern einen schlechten Tag des US-Präsidenten erlebt (die Washington Post wählte ihn dafür sogar für ihre wöchentliche Worst Week in Washington-Kolumne aus).

Für die ZuschauerInnen ist das nicht schlecht, immerhin kommt damit ein wenig mehr Pfeffer in die nächsten TV-Konfrontationen. Ein ehrgeiziger Wahlkämpfer wie Obama wird diese persönliche Schlappe nicht auf sich sitzen lassen, weshalb er beim zweiten Aufeinandertreffen – das als town meeting mit Publikumsfragen abgehalten wird – wohl deutlich entschlossener auftreten wird.

Mitt Romney nutzte seinen neu gewonnen Schwung, um sich für seinen „47 %-Sager“ zu entschuldigen und die Aussage komplett zu revidieren – was ein wichtiger Schritt war, um diese (für ihn ziemlich unangenehme) Geschichte hinter sich zu lassen. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, denn im Moment des Erfolgs ist es weitaus einfacher, einen Fehler einzugestehen und das Thema zu wechseln als aus der Defensive heraus.

Was die Romney-Euphorie dämpfen dürfte …

Trotzdem hatte die vergangenen Woche für Obama auch positive Momente auf Lager. Der wichtigste davon: Die am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten für den September sind deutlich besser als erwartet. Mit 7,8 % liegt die Arbeitslosigkeit in den USA erstmals seit dem Jänner 2009 (!) wieder unter acht Prozent. Ich habe hier bereits vor einiger Zeit geschrieben, wie kritisch die monatliche Arbeitslosenstatistik in diesem Wahljahr sein wird. Die vorletzte (und für die Debatte in der Schlussphase) wohl wichtigste Arbeitsmarktbilanz vor der Wahl lässt Obama gerade zum richtigen Zeitpunkt etwas Aufatmen – und dürfte dem Romney-Camp, dessen zentrales Wahlkampfthema die Schaffung von Jobs ist, nicht gerade in den Plan passen.

Darüber hinaus können sich die Demokraten darüber freuen, im September mit Spendeneinnahmen in der Höhe von 181 Millionen US-Dollar (hey, das sind schlappe sechs Millionen US-Dollar pro Tag!) – den aktuellen Fundraising-Rekord dieser Saison aufgestellt zu haben. So wie es aussieht, dürfte der Amtsinhaber im bedeutsamen money race nicht ins Hintertreffen geraten, was insofern wichtig ist, als seiner Kampagne sonst auf den letzten Metern die Luft ausgegangen wäre.

Die Phase der Zuspitzung

Dennoch werden wir in den nächsten Wochen noch erleben, dass die Auseinandersetzung zwischen Obama und Romney zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen stilisiert wird. Das liegt zum Einen daran, dass die Wahlen tatsächlich noch nicht gelaufen sind und in den letzten Wochen noch einmal alles in die Schlacht geworfen wird. Es liegt aber auch an der natürlichen Neigung der Medien, Spannung aufbauen zu müssen, um konsumiert zu werden. In Verbindung mit MeinungsforscherInnen, die sich nur ungern mit falschen Vorhersagen blamieren wollen, und Kampagnen, die ihre AnhängerInnen mobilisieren wollen, können sich alle Seiten am einfachsten darauf verständigen, dass noch alles möglich ist.

Gleichzeitig können die Kampagnen in dieser Phase der Zuspitzung kaum noch etwas anderes tun, als ihrer bisherige Linie noch mehr Nachdruck zu verleihen. Rund einen Monat vor der Wahl sind schließlich alle entscheidenden Kampagnenoperationen bereits auf Schienen – oder zum Scheitern verurteilt. Natürlich haben die Teams auf beiden Seiten alle Hände voll zu tun, um täglich neue Angriffe abzuwehren und Gegenangriffe zu koordinieren, um in den Medien zu punkten und Misserfolge auszubügeln, um das dichte Programm in der Schlussphase in eine perfekte Gesamtinszenierung münden zu lassen. Doch alle diese Aktivitäten sind bereits mehr oder minder lange geplant und vorbereitet – jetzt wird nur mehr umgesetzt. Keine Kampagne ist mehr in der Lage, sich komplett neu zu erfinden. Da heißt es Nerven bewahren und noch ein letztes Mal alle Kräfte mobilisieren. Die StrategInnen auf beiden Seiten können nur mehr hoffen, mit ihren Einschätzungen richtig gelegen zu sein – oder andernfalls das Glück auf ihrer Seite zu haben.

Hoffen werden beide Lager bis zum Schluss, denn eine alte Wahlkampfregel lautet, dass Rennen erst im Ziel entschieden werden. Darauf hat die Obama-Kampagen ihrer UnterstützerInnen vor vier Jahren mit diesem Video hier erinnert:

Schließlich steht das Ergebnis erst am Wahltag fest. Und seit der US-Präsidentschaftswahl 2000 wissen wir, dass es sogar noch etwas länger als das dauern kann …

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Hey, it’s Sarah Silverman again.

Hey, it’s Sarah Silverman again.

Sarah Silverman war schon 2008 die Absenderin eines sehr gelungenen Videos zur (äußerst gezielten) Mobilisierung von WählerInnen für die Obama-Kampagne. Auch in diesem Wahljahr macht die Komikerin, Schauspielerin und Schriftstellerin wieder mobil. Im Mittelpunkt stehen dieses Jahr die Bemühungen der Republikaner, den für sie eher ungünstigen Trend zum „early voting“ einzudämmen – wir haben in der vergangenen Woche darüber geschrieben

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