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Strategy Sunday-Buchtipp: Einblicke ins Innenleben des Obama-Camps

Ein brandaktuelles Buch über die Obama-Kampagne enthüllt, dass sich hinter den Kulissen einige Konflikte im Lager des US-Präsidenten abspielen. Kein Wunder, denn die Abstimmung zwischen einem Kampagnenteam einerseits und den eingespielten BüromitarbeiterInnen eines Amtsinhabers andererseits sind die Sollbruchstelle jedes Wahlkampfs.

Politico, eines der Portale für Politikjournalismus in den USA, hat nun das erste von vier Büchern eines von vier eBooks veröffentlicht, die sich den diesjährigen Präsidentschaftswahlen widmen. „Obama’s Last Stand“ basiert auf umfrangreichen Interviews mit MitarbeiterInnen und engen Vertrauten des US-Präsidenten und seiner Kampagne. Es liefert zahlreiche interessante Einblicke hinter die Kulissen – und offenbart große Spannung im Lager des Amtsinhabers.

Sand im Getriebe

Vor allem die Koordination zwischen dem West Wing des Weißen Hauses, wo die MitarbeiterInnen des US-Präsidenten ihre Büros haben, und der Zentrale von Obamas Wiederwahlkampagne in Chicago soll alles andere als friktionsfrei ablaufen. Als jemand, der schon eine bundesweite Wahlkampagne leiten durfte, wundert mich das nicht. Tatsächlich ist die Verbindung zwischen den – über Jahre gut eingespielten – engsten MitarbeiterInnen eines/einer PolitikerIn und dem (im Vergleich dazu eher kurzfristig organisierten) Kampagnenbüro die Sollbruchstelle jede Kampagne.

An diesem Punkt prallen zwei Welten aufeinander: Die Einen sind müssen sich um das politische Tagesgeschäft eines/einer FunktionsträgerIn kümmern, die Anderen sind vollkommen auf den Wahlkampf fokussiert. Die Einen stehen seit Jahren in täglichen Kontakt mit dem/der KandidatIn und genießen entsprechend großes Vertrauen, die Anderen sitzen – in diesem Fall rund 1.000 Kilometer vom Weißen Haus entfernt – in einem Kampagnenbüro, in dem der/die KandidatIn nur selten zu sehen ist (schließlich sind dort keine zusätzlichen WählerInnenstimmen zu holen). Die Einen müssen lernen, die gewohnte Aufgabenteilung in Wahlkampfzeiten umzustellen, die Anderen müssen darauf Rücksicht nehmen, dass es auch noch politisch relevante Aufgaben abseits des Wahlgeschehens gibt. Beide Seiten arbeiten für das selbe Ziel, doch mit unterschiedlichen Prioritäten und Bedürfnissen. Spannung sind so (auch ohne die im Politgeschäft üblichen Machtkämpfe) vorprogrammiert – zumal der Druck vor einer wichtigen Wahlentscheidung kontinuierlich zunimmt.

Ich hatte das Glück, im Rahmen der Wiederwahlkampagne unseres Bundespräsidenten immer einen guten, spannungsfreien Draht zu dessen Büro zu haben – was auch dem Geschick eines so erfahrenen Kandidaten wie Heinz Fischer zu verdanken ist, der ein gutes Händchen bei der Auswahl von MitarbeiterInnen hat und dessen persönlicher Stil auch in stressigen Zeiten für einen respektvollen Umgang miteinander sorgt. Jim Messina, Leiter der Wiederwahlkampagne von Barack Obama hat es da – wie das nun erschienene Buch aufzeigt – deutlich schwerer. Dessen Lektüre kann allen (potenziellen) WahlkampfleiterInnen nur wärmstens empfohlen werden …

Dieser Beitrag ist von Stefan Bachleitner

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3 Rückmeldungen zu “Strategy Sunday-Buchtipp: Einblicke ins Innenleben des Obama-Camps”

  1. Jan Kercher sagt:

    Vielen Dank für den tollen Buchtipp! Was man allerdings noch erwähnen sollte: Das Buch ist (bisher) nur als eBook erhältlich, was mir die Lektüre leider unmöglich macht. ;-( Wirklich schade, ich hätte das Buch sonst sehr gerne gelesen.

    Außerdem scheint das Buch nicht das erste der vier Politico-Bücher zum aktuellen US-Wahlkampf zu sein, sondern das dritte. Bereits erschienen sind:

    Band 1 (November 2011): The Right Fights Back
    Band 2 (April 2012): Inside the Circus – Romney, Santorum and the GOP Race

    • Sorry, dass es ein eBook ist, war mir natürlich klar, ich hielt es aber für unnötig, das extra zu erwähnen. Ein solches Buch macht in gedruckter Form leider kaum Sinn. Was die beiden anderen Bände betrifft, hatte ich mich schlicht verlesen – vielen Dank für den Hinweis. Ich habe eine entsprechende Korrektur vorgenommen.

      • Jan Kercher sagt:

        Stimmt natürlich, ein eBook kann man deutlich einfacher und schneller veröffentlichen, was bei so einem aktuellen Thema (das schnell auch wieder vorbei ist) natürlich von großem Vorteil ist. Toll ist natürlich auch der damit verbundene, sehr niedrige Preis. Und da mich das Buch so sehr interessiert, habe ich mir nun kurzerhand einen eBook-Reader bestellt. :-) Bin schon sehr gespannt auf die Lektüre…

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